Seite:BaumannImGottesländchen.pdf/25

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

in ihr die Nacht zu verbringen: man habe Waffengeklirr gehört, und plötzlich sei der Schläfer von unsichtbarer Gewalt aus seinem Bette geworfen worden. — Auch in Talsen ist das jüdische Element stark vertreten. Auf den Gassen sahen wir überall Judenkinder sich tummeln, denen im Sommer ihr halbadamitisches Kostüm sehr zustatten kam. Früher sollen die Juden noch zahlreicher gewesen, jetzt aber viele nach Amerika ausgewandert sein. Die neue Synagoge, deren Inneres uns der Pförtner zeigte, stammt aus dem Jahre 1850. — So mancher, der später das „gymnasium illustre“ in Mitau be­sucht und darauf eine Hochschule bezogen, hat in der früheren Kreisschule (jetzt Privatknabenschule) zu Talsen seine erste Ausbildung genossen. Der Inspektor dieser Schule war ein gar lieber Mann, der sich freute, seine gewesenen Schüler und deren Kommilitonen bei sich zu sehen. Er hatte die Freundlichkeit, seinen früheren Schulbuben, jetzt Musensöhnen, einen Einblick in die alten Klassenbücher zu gestatten. Da gab es ein großes Gaudium, als man verzeichnet fand, daß dieser oder jener von ihnen dazumal für Aufführung oder Fortschritte gar unbefriedigende Nummern, z. B. 1 3/4 oder 2 1/3, aufzuweisen gehabt hat.


In der Nähe von Talsen lag links an der Goldinger Landstraße das Gut Feldhof, wo wir bei Herrn R., D.'s Bruder, abgestiegen waren. Er hatte dieses Gut und das rechts von der Landstraße gelegene Althos in Arrende. Beide Güter umfaßten gegen 1000 Hofstetten und gehörten zu Postenden, das etwas weiter links zu sehen war. Zwischen diesem Stammgute und Feldhof lag das Gesinde Drawnieken (das „Bienenzüchter"-Gehöft). Am Nachmittage des 27. Juni[WS 1] — es war ein Sonntag — weilten wir mit anderen Gästen dort zum Besuche. Dem Gesinde gegenüber befand

sich jenseit der Landstraße der Juschku-Purwis, ein zum Teil

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Juli
Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/25&oldid=- (Version vom 26.1.2019)