Seite:BaumannImGottesländchen.pdf/31

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18. Jahrhunderts die riesige Grabkapelle in der Mitte des Friedhofs erbauen lassen, die mir durch ihre plumpe Form auffiel. Die jüngeren Familienglieder wurden auch nicht mehr dort beigesetzt, sondern ruhten in der freien Gotteserde im Schatten von Tannen, die den kleinen Friedhof umgaben. Die Eltern des gegenwärtigen Majoratsherrn hatten auf ihrem Grabe große Marmorblöcke liegen, wo mit goldenen Lettern ihre Namen eingemeißelt waren. Die Knechte des Gutes wohnten in einem stattlichen Knechtsgebäude. Die Fassade des Herrenhauses hatte ein palastähnliches Aussehen. Besonders gut machten sich die hohen Säulen bei der Schloßtreppe. Hinter der Brauerei — der Brauer P. ist ein Preuße, was in Kurland viele Brauer und Krüger sein sollen — führte eine Brücke über den Schloßteich in den Park. Schöne Alleen von allen möglichen Baumarten, grüne Rasen, Blumenbeete, daneben der Teich mit Schwänen, an seinen Ufern lauschige Linden, drüben die Gartenfassade des Schlosses mit der blumengeschmückten Veranda zogen unsere Blicke auf sich. Der jetzige Majoratsherr soll sich mit Erfolg der Landwirtschaft widmen und ein guter, von seinen Leuten geliebter Mensch sein. Durch eine breite Fahrallee, wo die hohen Bäume von innen gewölbeartig beschnitten waren, gelangten wir zu der Schmiede, deren Eingang sonderbarer Weise mit antiken Säulen versehen war, und dann zu den Stallgebäuden, in denen sich gegen 50 Pferde und 130 Rinder, darunter ungefähr 80 holländi­ scher Rasse, befanden. Die ausländischen Rinder, die gut gepflegt wurden und nie den Stall verließen, zeichneten sich durch einen erstaunlichen Körperumfang aus. Sie sollen sehr viel Milch geben, was dem Gute ausgezeichnete Einkünfte verschaffe. Hinter dem großen, schilfreichen, moorigen Jahnischteiche befand sich eine Ziegelei. In Postenden sind früher viele Sagen über vergrabene Schätze im Umlauf gewesen. Das Volk hat sich erzählt, daß einmal ein Knecht einen

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Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/31&oldid=- (Version vom 26.1.2019)