Seite:BaumannImGottesländchen.pdf/46

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Ein Ausflug nach Dondangen.

Am 2. Juli nach Sonnenuntergang brachen wir, einer Einladung des Doktors O. folgend, nach dem 40 Werst ent­fernten Dondangen auf. Das feurige Abendrot leuchtete grell am Rande des Himmels, als wir durch die Straßen von Talsen und seiner kleinen rechtgläubigen Vorstadt, lettisch Kriewu rags, „Russenhorn" genannt (weil die kleinen Häuser in Form eines Horns verliefen), auf die Landstraße hinausfuhren. Rechts lag Talsenhof am Wege. Die Chausseen befinden sich in Kurland in ausgezeichnetem Zustande. Daher ging unsere Fahrt schnell und gut vonstatten. Durch ebenes Land fahrend, erreichten wir bald das Gut Waldegahlen. Hier zweigte bei einem Kruge und einer Mühle die Straße nach Saßmacken ab. Waldegahlen gehört, gleich vielen anderen Gütern der Umgegend, einem Baron Fircks. Als etwas Besonderes wurde erzählt, daß beim Schloßteiche die Fische durch eine Glocke zur Futterstelle gerufen würden. Alsdann wimmele es dort am Ufer von Fischen. Nach kurzer Rast fuhren wir, schon bei eingetretener Dunkelheit, über das große, hochgelegene Moor, das sich von Waldegahlen bis zum Dondangenschen Gebiete hinzieht. Feuchte Nachtluft umwehte uns. In geschärftem Trabe ging es vorwärts. So manches kräftig gesungene Lied erschallte in die Nacht hinaus. Die Trockenlegung des großen Moores soll früher die Ursache eines Streites zwischen zwei hiesigen Großgrundbesitzern gewesen sein. Der Herr von W. habe einen großen Abzugsgraben bis zu den Besitzungen des Herrn von Z. führen lassen, wodurch dessen Felder sehr unter Wasser zu leiden gehabt hätten. Der Streit sei schließlich dadurch geschlichtet worden, daß der Herr von Z. den Kanal bis zu einem nahen See habe weiterführen lassen, so daß das Wasser einen Abfluß erhalten habe und die Trockenlegung des Moores sicher­

Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/46&oldid=- (Version vom 2.2.2019)