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Vorwort.

Im russischen Zarenreiche, unserem großen Vaterlande, gibt es ein von den Fluten des Baltischen Meeres bespültes Stück Erde, das seit alters den Namen Gottesländchen führt. Es ist dies das frühere Herzogtum, jetzige Gouvernement Kurland. Wie ist es zu dem poetischen Namen gekommen? Sonderbarerweise stammt er vom Zaren Iwan dem Schrecklichen. Salomon Henning, des ersten kurländischen Herzogs Gotthard Rat, berichtet uns in seiner Chronik folgendes. Als Iwan im Jahre 1577 mit großer Heeresmacht nach Livland gezogen kam und Kokenhusen erreicht hatte, wo jenseits des „Dünenstromes“ die Gauen Kurlands sich ausbreiteten, war der kurländische Herzog voller Angst, daß der Zar die Schrecken des Krieges nicht auch in sein geliebtes Fürstentum trage. Es war ihm daher, als ob eine schwere Last von ihm gewichen sei, als Iwan nach Wenden weiterzog und ihm als Antwort auf einen Brief mitteilen ließ: „Er wolle seines Gottes Ländichens für dißmal verschonen, vnd demselben kein nachtheil oder schaden zufügen lassen.“ Wir glauben es gern, wenn der Chronist des weiteren erzählt, daß der fromme Herzog nach Empfang dieser Nachricht „für frewden auffgesprungen, vnnd gesaget, Ist denn mein armes Fürstenthumb, wie ich nicht anders weiß vnd gleube, Gottes Ländichen, So bin ich nun sicher vnnd gewiß, das Gott vber den

Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite -. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/5&oldid=- (Version vom 9.3.2019)