Seite:BaumannImGottesländchen.pdf/60

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

zwei bemerkenswerte Prediger gewirkt. Von Matschewsky sagt Baron Schlippenbach in seinen „Malerischen Wan­derungen durch Kurland“ 1809 : „Wer liebt und kennt nicht in meinem Vaterlande diesen Mann, der sein geistliches Gewand durch Herz und Sinn, durch Lehre und Wandel ehrt und es durch sein Beispiel beweist, daß der geistliche Stand den höchsten Grad der Achtung und Ehrerbietung erringen kann, wenn er diese durch Tat und Lehre zu verdienen weiß und den Himmel, auf den er hinweist, in reiner Seele spiegelt.“ Ein Nachfolger dieses Predigers war Pastor Hugenberger, der wegen seines tiefen Verständnisses für die lettische Sprache und Poesie — er hat unter anderem gelungene Übersetzungen hervorragender deutscher und russischer Gedichte hinterlassen — in der lettischen Literaturgeschichte eine geachtete Stellung einnimmt. Hinter dem Pastorate kam links das Gut Esern, wo die Feldarbeit in vollem Gange war. Die Gegend wurde freier; es waren wieder mehr Felder und Wiesen zu sehen. Langsam ging es eine Anhöhe hinauf, wo uns der Wind frischer umwehte. Von neuem zeigten sich Güter in der Nähe: Ihwen und Tingern. Wir passierten Oschenhof und Oschendorf, weiterhin Lubbenhof, wo alte Eichen wuchsen; dann fuhren wir waldwärts und bei einer Wassermühle über die hier schon breitere Rohje. Der Fichtenwald beim Mühlenkruge verbreitete einen starken Harzgeruch. Weiterhin lag auf einer Lichtung inmitten eines großen Waldes Rudenhof, wo wir die Rohje zum dritten Mal passierten. Hier hielten wir bei freundlichen Leuten Rast.

Viel Interessantes erzählte uns der Sohn des alten Wirts. Er war lange Seemann gewesen und hatte auch England und Belgien besucht. Seine Vorfahren stammten aus dem nahen Dumburgesinde, das fünf Menschenalter hindurch ihnen gehört haben soll. Er hatte einen deutschen Namen. Bei der Namengebung nach der Freilassung im Jahre 1818

Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/60&oldid=- (Version vom 2.2.2019)