Seite:Bechstein Thüringische Volksmährchen 1823.pdf/122

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Auge war geschlossen, wie zum Schlummer, und wie von einem schönen Traum umgaukelt, lächelte er noch im Tode; jetzt strich der besorgten Mutter Hand über die kleine Wange; sie war todtenkalt. Da fiel mit lautem Angstruf die Arme ohnmächtig nieder neben dem Lager des entseelten Lieblings. –

Kaum waren acht Tage verflossen, nach des Kindes Begräbniß; stumm saßen die unglücklichen Eltern spät am Abend in dem einsamen Stübchen, draußen heulte der Sturm und zog pfeifend durch die Fensterritzen, daß die Flamme der Lampe unstät hin und her flatterte, und seltsame Schatten sich an der Wand zu bewegen schienen. Müde von der Arbeit, waren Frau Elisens Hände in den Schooß gesunken und ihre Augen schlossen sich allmählig, da legte Meister Jonas die Arbeit bei Seite, langte vom Kannrück die Bibel herunter und rückte den mit künstlichen Schnitzwerk gezierten, lederbepolsterten Großvaterstuhl sich näher zum Tisch; immer wilder raßte[D 1] draußen der Sturm, und klapperte an den Laden, und warf Ziegeln von den Dächern; da zog Meister Jonas das

Anmerkungen (D)

  1. Druckfehlerberichtung Seite 166: raßte st. raste.
Empfohlene Zitierweise:
Ludwig Bechstein: Thüringische Volksmährchen. Carl Fleck und Comp., Sondershausen 1823, Seite 120. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bechstein_Th%C3%BCringische_Volksm%C3%A4hrchen_1823.pdf/122&oldid=- (Version vom 31.7.2018)