Seite:Bemerkungen zu Gregor von Tours kleineren Schriften.pdf/17

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Wenn dort ein rasendes Tier Schaden anrichtet, so sitzt ihm ein Dämon auf dem Nacken (Dialogus II 9), und wenn ein Mann sich gegen seine Vorgesetzten empört, so hetzen ihn dazu Dämonen, die sich in unmittelbarer Nähe des geschilderten Auftritts befinden[WS 1] (Dialogus III 15). Gesehen werden diese aber nur von besonders begnadeten Personen, z. B. von dem h. Martin. Von diesen Ansichten ausgehend, konnte sich Gregor die bekannten Erzählungen von den bösen Einflüssen der „Zauberer“ oder „Hexen“ erklären und sie als incursio diabolica u. s. w. bezeichnen. Der eigentliche Hexenglaube des späteren Mittelalters lag ihm natürlich fern. So, glaube ich, sind folgende Stellen aufzufassen. Cum autem quidam per incursum diabolicum oculum perdidisset… Jul. 22. Ein fast ganz Gelähmter kam zum Feste und… ab omni incursione diabolica mundatus, sanus abscessit, Martini III 14. Puer vero ex Andecavo terreturio, dum in domo parentum resederet, per inmissionem, ut ipse adserebat, artis diabolicae, manum pedumque perdidit usum ib. 27. Clericus… per incursum insidiatoris lumine multatus ib. 28. Servus… per incursionem nescio quam unius poplitis perdiderat usum ib. IV 41. Merobaudis quidam ex pago Pictavensi, dum esset laborans in opere, caecitate pessima, insidiatore inmittente, percussus est II 15. Ähnlich der Hexensage im Macbeth Andr. 32, 34. Daemon vero… seduxit puerum in secretum cubiculum et suffocavit eum, laqueo extorquens animam ejus Andreae 14. Andreas erweckt einen Ertrunkenen am Meeresufer. Dieser erzählt nun, daß durch Teufelskunst noch 39 Halbbekehrte mit ihm ertrunken seien Andr. 24. An mehreren Stellen ist vom Feuer die Rede. Eine Kirche in Rennes wird instinctu maligni, qui semper bonis adversatur operibus, vom Feuer ergriffen (Conf. 54.) Victurius… non perferens eclesiasticas caulas ab insidia satanae devastari, obviam se turbini (incendio) obtulit ib. 55, invidia temptatoris inmissum incendium Martini I 2. An eine Nachahmung der biblischen Erzählung von Hiob ist hier kaum zu denken. Dem widerspricht die Vergleichung dieser Krankheitsfälle mit anderen, bei denen die Andeutung, daß sie durch böse Mächte veranlaßt seien, fehlt, weder zeichnen sich die Leidenden in unseren Fällen durch besondere Tugend, noch in den anderen durch Sündhaftigkeit aus. Wie käme namentlich der junge Mann aus Angers (Martini III 27) dazu, seine Lähmung mit der Krankheit Hiobs irgendwie zu vergleichen? Entsprechende Sagen finden sich heute noch. Die „Brandhexen“, welche mit Blitz und Feuer die Häuser anzünden, besonders zur Zeit, wenn im Herbst Heu und Ernte gut eingebracht ist, sind besonders in Tirol bekannt (v. Alpenburg 257). Von den angeführten Stellen sprechen die, welche französischem Boden entstammen, von Anfällen von Lahmheit oder Blindheit. Die ersteren erklären sich möglicherweise so, daß Gregor Sagen gehört hat, wonach dämonische Wesen solche Leiden verursachen, die man annähernd richtig mit dem erklärenden Worte Hexenschuß bezeichnen kann (Meyer Myth. 135). Die zweite Klasse mag veranlaßt sein durch die Vorstellung, daß die stauberregende Windhose von einem Dämon erregt oder bewohnt war. Der Glaube, daß Zauberer und Hexen Krankheit und sogar Tod bringen, ist in Frankreich sehr verbreitet. Vgl. De Nore 140, 154, 170, 193, 242, 257, 260 u. s. w. Als in Trier die Pest herrschte, betete Nicetius, der Bischof, für seine Herde: factus est sonus de nocte magnus tamquam tonitruum validum super pontem amnis, ita ut putaretur urbs ipsa dehiscere. Cumque omnis populus exterritus in lectulis resedisset, letifero eis interitum operiens, audita est in medio rumoris vox una ceteris clarior dicens: Et quid hic, o socii, faciemus?

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: bebefinden