Seite:Bemerkungen zu Gregor von Tours kleineren Schriften.pdf/20

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wurde auf christlichem Boden in Engel, unerlöste Seelen und Dämonen, je nach dem Grade ihrer Hilfsbereitschaft oder ihrer Schädlichkeit verwandelt. Wer den Tod, angelehnt an sein Haus sieht, stirbt bald (Panzer II 110). In Gestalt eines unheimlichen schwarzen Mannes zeigte sich ehemals in Tirol der Viehschelm (v. Alpenburg 62). An nächtliche Schatten und Phantome glaubt man noch jetzt in der Bretagne, den Pyrenäen (De Nore 85 f.) und in vielen anderen Gegenden Frankreichs. In Languedoc bringt ein „homme noir“ den verderblichen Hagel (De Nore 80). Hierher gehört auch wahrscheinlich die Geschichte von der dunklen Gestalt (sombre figure), die sich hinter den Bäumen des Waldes von Fontainebleau Heinrich IV. im Jahre 1598 zeigte (Monnier 82).

Leben und Tod. Die größte Zahl der Heilungen wird hervorgebracht durch Genuß des Staubes von den Gräbern. Zu den Bemerkungen, die Gaidoz in der Bibliotheca mythica I 211 ff. hierüber macht, ist folgendes hinzuzufügen. Gregor gehörte gewiß zu den gebildetsten Leuten seiner Zeit, aber als Theologe steht er eigentlich sehr tief. Er füllte seinen Platz sehr gut aus als Mann von unbeugsamer Rechtlichkeit und starrer Überzeugung, aber in seinen metaphysischen Anschauungen vermochte er sich den volkstümlichen Meinungen trotz eines gewissen nüchternen Verstandes nicht zu entziehen. So nimmt er denn ohne Kritik Vorchristliches als christliche Anschauung auf. – Wie stark die Meinung, daß durch die Asche der Verbrannten ihre Kraft übertragen werden konnte verbreitet war, scheint auch aus dem Bestreben der Heiden hervorzugehen, die Asche der Märtyrer nicht den Christen zu überlassen. Daher wurde die Asche der Märtyrer von Lyon (Martyrum 48), ebenso die der armenischen (95) ins Wasser geworfen. Gleiche Anschauung herrscht jedenfalls in Karls Drohung im Renaut de Montauban (S. 289) an Maugis: En charbon le ferai ardoir et embraser – Et la poldre cueillir et jeter en la mer. – Quant tot çou aurai fait, que vos ai devisé, – Si set tant li diables engiens et fausetés – Puis eschaperoit il, qu’il iert si atornés. Eine scherzhafte Übertreibung mag in diesem Falle allerdings auch vorliegen. Auch jetzt ist dieser Aberglaube noch nicht ganz verschwunden. Es klingt an das bekannte Verbot in den Capitularien gegen Genuß des Hexenfleisches an, was Laisnel de la S. I 165 erzählt. Dans quelques-uns de nos départements, les paysans vont encore trouver le bourreau, qui leur vend de la graisse de supplicié, qu’ils appliquent sur leurs écrouelles ou sur leurs rhumatismes.

Quidam ex Viennensi terreturio Landulfus nomine a lunatici daemonii infestatione vexabatur, ita ut plerumque ab hoste se vallari putans in terram corrueret, cruentasque ex ore spumas emittens, tamquam mortuus habebatur. Quod genus morbi ephilenticum peritorum medicorum vocitavit auctoritas; rustici vero cadivum dixere, pro eo quod caderet (Martini II 18). Thiers (Traité des superstitions I 517): Ceux qui se disent de la race de S. Martin prétendent guérir du mal caduc. Ich glaube kaum, daß ein Zusammenhang von Alters her zwischen diesen Wundern vorhanden war.

Die Verjüngung zweier Greise, welche den Leichnam des h. Julian bestatteten, wird schon von der älteren Passio bezeugt (senserunt eam se a Deo quam in juventute habuerunt pristinam recepisse virtutem). Gregor kennt die Sage in einer noch deutlicheren Form: ita redintegrati sunt ut in senctute summa positi tamquam juvenes haberentur (Juliani 1); qui senum quondam decrepitae aetatis membra rigentia antiquo vigore restituit (4). Die Sagen von einer Verjüngung des Alters haben ihren Grund in einer der ältesten Formen des Mythus. Alljährlich verjüngt sich beim Beginn der schönen Jahreszeit