Seite:Beytrag zur Toleranzgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts.pdf/8

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Schreiben vom 25 Jul. an des Herrn Sebastian Roth, Kasernen Pfarr HochEdelgebohrn in Anspach, seine ganze Absicht verfehlt hat. Wie Sie aus der Unterschrift sehen werden, so bin ich zwar Kasernenprediger allhier, heiße aber nicht Sebastian Roth, habe auch nie weder einen Sohn, der das Glück hatte, zu Neumark ein Kapucinerbruder zu werden, noch eine Tochter gehabt; höchstwahrscheinlich also ist die auf Empfehlung eines sichern Herrn Dechants zu Ihnen gekommene angebliche M. Katharina Rothin eine herumziehende liederliche Dirne, die mit erdichteten Namen und Herkunft leichtglaubige Personen zu täuschen, und dadurch ihre niedrigen Absichten zu erreichen sucht. Zugleich versichere ich Sie auf das gewisseste, daß den sämtlichen Geistlichen in Anspach keine Tochter entlaufen ist, welche ihre ewige Seligkeit in einem Kloster sucht. Und hier komme ich natürlicherweise auf den zweyten Punkt Ihres verehrlichen Schreibens, ich meine auf Ihre aus dem Kloster Schönthal ganz unerwartete Religionsanzüglichkeiten. Beynahe hätte ich vermuthet, daß Ihr vorliegender Brief im Jahr 1690 geschrieben worden und durch einen sonderbaren Zufall aus dem Archiv auf die Post gekommen