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Liste.png Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1

Zapfen los, und wolle sehen was drinnen sei, und sie müßten einmal auch was neues sehn. Das weckte neues Entsetzen, und der Bursche, der das that, ward Allen Meister, und konnte zwingen was er wollte, besonders bei den Mägden.

Das soll aber auch ein seltsamer Mensch gewesen sein, man wußte nicht woher er kam. Er konnte sanft thun wie ein Lamm, und reißend wie ein Wolf; war er alleine bei einem Weibsbilde, so war er ein sanftes Lamm, vor der Gesellschaft aber war er wie ein reißender Wolf und that als ob er Alle haßte, als ob er über Alles aus wolle mit wüsten Thaten und Worten; solche sollen den Weibsbildern aber gerade die liebsten sein. Darum entsetzten sich die Mägde öffentlich vor ihm, sollen ihn aber doch, wenn sie alleine waren, am liebsten von Allen gehabt haben. Er hatte ungleiche Augen, aber man wußte nicht von welcher Farbe, und beide haßten einander, sahen nie den gleichen Weg, aber unter langem Augenhaar und demüthigem Niedersehen wußte er es zu verbergen. Sein Haar war schön gelockt, aber man wußte nicht war es roth oder falb; im Schatten war es das schönste Flachshaar, schien aber die Sonne darauf, so hatte kein Eichhörnchen einen röthern Pelz. Er quälte wie Keiner das Vieh. Dasselbe haßte ihn auch darnach. Von den Knechten meinte ein Jeder, er sei sein Freund, und gegen Jeden wies er die Andern auf. Den Meisterweibern war er unter Allen alleine recht; er alleine war oft im obern Hause, dann thaten unten die Mägde wüst; so bald er es merkte, steckte er sein Messer an den Zapfen und begann sein Drohen, bis die Mägde zum Kreuze krochen. Doch behielt dieses Spiel auch nicht lange seine Wirkung. Die Mägde wurden dessen gewohnt und

Empfohlene Zitierweise:
Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1. Jent & Gaßmann, Solothurn 1842, Seite 97. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bilder_und_Sagen_aus_der_Schweiz_I.pdf/101&oldid=- (Version vom 18.8.2016)