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Liste.png Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1

müsse, daß an ihm liege, die That, die seine Ahnfrau gethan. Er betete zu Gott, bis ihm so recht feurig im Herzen der Entschluß empor wuchs, die Thalschaft zu retten, das Uebel zu sühnen, und zum Entschluß kam der standhafte Muth, der nicht wankt, immer bereit ist zur gleichen That, am Morgen wie am Abend.

Da zog er herab mit seinen Kindern aus dem neuen Haus ins alte Haus, schnitt zum Loch einen neuen Zapfen, ließ ihn weihen mit heiligem Wasser und heiligen Sprüchen, legte zum Zapfen den Hammer, setzte zu den Betten der Kinder sich, und harrte der Spinne.

Da saß er, betete und wachte, und rang mit dem schweren Schlafe festen Muthes und wankte nicht; aber die Spinne kam nicht, ob sie sonst allenthalben war, denn immer größer war der Sterbet, immer wilder die Wuth der Ueberlebenden. Mitten in diesen Schrecken sollte ein wildes Weib ein Kind gebären. Da kam den Leuten die alte Angst, ungetauft möchte die Spinne das Kindlein holen, das Pfand ihrer alten Pacht. Das Weib gebehrdete sich wie unsinnig, hatte kein Gottvertrauen, desto mehr Haß und Rache im Herzen.

Man wußte, wie die Alten gegen den Grünen sich geschützt vor Zeiten, wenn ein Kind geboren werden sollte, wie der Priester der Schild war, den sie zwischen sich und den ewigen Feind gestellt. Man wollte auch nach dem Priester senden, aber wer sollte der Bote sein? Die unbegrabenen Todten, welche die Spinne bei den Leichenzügen erfaßt, sperrten die Wege, und würde wohl ein Bote über die wilden Höhen der Spinne, die Alles zu wissen schien, entgehen können, wenn er den Priester holen wollte? Es zagten Alle. Da dachte endlich der Mann des Weibes, wenn die Spinne ihn haben wolle, so könne sie ihn daheim fassen wie auf

Empfohlene Zitierweise:
Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1. Jent & Gaßmann, Solothurn 1842, Seite 103. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bilder_und_Sagen_aus_der_Schweiz_I.pdf/107&oldid=- (Version vom 31.7.2018)