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Liste.png Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1

Todtenglocke, kam von der Kirche her, daß ein eigenthümlich Grauen die stärksten Männer ergriff und jedesmal Menschen und Thiere bebten, wenn man gegen die Kirche kam. War man einmal vorbei, so konnte man ruhig fahren, ruhig abladen, ruhig zu frischer Ladung wieder gehen.

Sechs Buchen lud man selbigen Tages neben einander ab an die abgeredete Stelle, sechs Buchen waren am folgenden Morgen zu Bärhegen oben gepflanzet, und durchs ganze Thal hin hatte Niemand eine Achse gehört, die sich umgedreht um ihre Spule, Niemand der Fuhrleute üblich Geschrei, der Pferde Wiehern, der Ochsen einförmig Gebrüll. Aber sechs Buchen standen oben, die konnte sehen, wer wollte, und es waren die sechs Buchen, die man unten an dem Stalden hingelegt hatte, und nicht andere.

Da war das Staunen groß im ganzen Thale und die Neugierde regte sich bei Männiglich. Absonderlich die Ritter nahm es Wunder, welche Pacht die Bauern geschlossen und auf welche Weise die Buchen zur Stelle geschafft würden. Sie hätten gerne auf heidnische Weise den Bauern das Geheimniß ausgepreßt. Allein sie sahen bald, daß die Bauern auch nicht Alles wüßten, da sie selbst halb erschrocken waren. Zudem wehrte der von Stoffeln. Dem war es nicht nur gleichgültig, wie die Buchen nach Bärhegen kommen, im Gegentheil, wenn nur die Buchen heraufkommen, so sah er gerne, daß die Bauern dabei geschont wurden. Er hatte wohl gesehen, daß der Spott der Ritter ihn zu einer Unbesonnenheit verleitet hatte, denn wenn die Bauern zu Grunde gingen, die Felder unbestellt blieben, so hatte die Herrschaft den größten Schaden dabei; allein was der von Stoffeln einmal gesagt hatte, dabei blieb es.

Empfohlene Zitierweise:
Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1. Jent & Gaßmann, Solothurn 1842, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bilder_und_Sagen_aus_der_Schweiz_I.pdf/52&oldid=- (Version vom 31.7.2018)