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Liste.png Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1

hatte er in der Hand, einen feurigen Bart im Gesichte, und auf dem Hute schwankte glutroth eine Feder. So sei der Zug gefahren hoch durch die Lüfte über alle Egg weg, und schnell wie ein Augenblick. Solches sah der Knabe, und Niemand that ihm was.

Noch waren nicht drei Wochen vergangen, so stunden neunzig Buchen auf Bärhegen, machten einen schönen Schattengang, denn alle schlugen üppig aus, keine einzige verdorrte. Aber die Ritter und auch der von Stoffeln ergingen sich nicht oft darin, es wehte sie allemal ein heimlich Grauen an; sie hätten von der Sache lieber nichts mehr gewußt, aber Keiner machte ihr ein Ende, es tröstete ein Jeder sich: fehle es, so trage der Andere die Schuld.

Den Bauern aber wohlete es mit jeder Buche, welche oben war, denn mit jeder Buche wuchs die Hoffnung, dem Herrn zu genügen, den Grünen zu betrügen; er hatte ja kein Unterpfand, und war die Hunderteste einmal oben, was frugen sie dann dem Grünen nach? Indessen waren sie der Sache noch nicht sicher; alle Tage fürchteten sie, er spiele ihnen einen Schabernack und lasse sie im Stiche. Am Urbanustage brachten sie ihm die letzten Buchen an den Kilchstalden und Alt und Jung schlief wenig in selber Nacht; man konnte fast nicht glauben, daß er ohne Umstände und ohne Kind oder Pfand die Arbeit vollende.

Am folgenden Morgen, lange vor der Sonne, waren Alt und Jung auf den Beinen, in Allen regte sich die gleiche neugierige Angst; aber lange wagte sich Keiner auf den Platz, wo die Buchen lagen; man wußte nicht, lag dort eine Beize, für die, welche den Grünen betrügen wollten.

Empfohlene Zitierweise:
Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1. Jent & Gaßmann, Solothurn 1842, Seite 50. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bilder_und_Sagen_aus_der_Schweiz_I.pdf/54&oldid=- (Version vom 31.7.2018)