Seite:Bilder und Sagen aus der Schweiz I.pdf/69

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1

gewinne der fromme Priester es dem Teufel wieder ab, dann seien sie aus dem Handel, hatten das Ihre gethan und den Bösen doch geprellt. So dachte der Mann, und jedenfalls, es möge nun gehen, wie es wolle, so hätte er an der ganzen Sache keine Schuld, sobald er nicht mit selbst eigenen Händen dabei thätig sei.

So war das arme Weibchen verkauft, und wußte es nicht, hoffte mit Bangen nach Rettung; und beschlossen im Rathe der Menschen war der Stoß in sein Herz – aber was der droben beschlossen hatte, das deckten noch die Wolken, die vor der Zukunft liegen.

Es war ein gewitterhaftes Jahr und die Erndte gekommen; alle Kräfte wurden angespannt, um in den heitern Stunden das Korn unter das sichere Dach zu bringen. Es war ein heißer Nachmittag, schwarze Häupter streckten die Wolken über die dunkeln Berge empor, ängstlich ums Dach flatterten die Schwalben, und dem armen Weibchen ward so eng und bang allein im Hause, denn selbst die Großmutter war draußen auf dem Acker zu helfen mit dem Willen mehr als mit der That. Da zuckte zweischneidend der Schmerz ihr durch Mark und Bein, es dunkelte vor ihren Augen, sie fühlte das Nahen ihrer Stunde, und war allein. Die Angst trieb sie aus dem Hause; schwerfällig schritt sie dem Acker zu, aber bald mußte sie sich niedersetzen; sie wollte in die Ferne die Stimme schicken, aber diese wollte nicht aus der beklemmten Brust. Bei ihr war ein klein Bübchen, das erst seine Beinchen brauchen lernte, das nie noch auf eignen Beinen auf dem Acker gewesen war, sondern nur auf der Mutter Arm. Dieses Bübchen mußte das arme Weib als

Empfohlene Zitierweise:
Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1. Jent & Gaßmann, Solothurn 1842, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bilder_und_Sagen_aus_der_Schweiz_I.pdf/69&oldid=- (Version vom 31.7.2018)