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Liste.png Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1

Herzen wußten wohl, wenn Gottes Hand vernichtend über sie komme, so sei es mehr als wohlverdient. Als das Gewitter vorüber war, lief die Kunde von Haus zu Haus, wie der Pfarrer das Kindlein zurückgebracht und getauft, aber kein Hans, keine Christine gesehen worden.

Der grauende Morgen fand lauter bleiche Gesichter, und die schöne Sonne färbte sie nicht, denn Alle wußten wohl, daß nun erst das Schreckliche kommen werde. Da hörte man, daß mit schwarzen Beulen der Pfarrer gestorben, man fand Hans mit schrecklichem Gesichte, und von der gräßlichen Spinne, in die Christine verwandelt worden, hörte man seltsam verwirrte Worte.

Es war ein schöner Erndtetag, aber keine Hand rührte sich zur Arbeit; die Leute liefen zusammen, wie man es pflegt, am Tage nach dem Tage, an welchem ein großes Unglück begegnet ist. Sie fühlten erst jetzt in ihren bebenden Seelen so recht was es heiße, von irdischer Noth und Plage mit einer unsterblichen Seele sich loskaufen zu wollen; fühlten, daß ein Gott im Himmel sei, der alles Unrecht, das armen Kindern, die sich nicht wehren können, angethan wird, fürchterlich räche. So stunden sie bebend zusammen, und jammerten, und wer bei den Andern war, der durfte nicht mehr heim, und doch war Zank und Streit unter ihnen, und Einer gab dem Andern Schuld, und Jeder wollte abgemahnt und gewarnt haben, und Jeder hatte nichts darwieder, daß Strafe die Schuldigen treffe, sich und sein Haus wollte aber Jeder ohne Strafe. Und wenn sie in diesem schrecklichen Harren und Streiten ein neu unschuldig Opfer gewußt hätten, es wäre Keiner gewesen, der nicht an demselben gefrevelt, in der Hoffnung, sich selbst zu retten.

Empfohlene Zitierweise:
Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. In: Bilder und Sagen aus der Schweiz, Band 1. Jent & Gaßmann, Solothurn 1842, Seite 75. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bilder_und_Sagen_aus_der_Schweiz_I.pdf/79&oldid=- (Version vom 31.7.2018)