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Seite:Brief Kilian 20-12-1857.pdf/4

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Ein vierter Sturm war ein geistlicher, der in diesem Jahre theils im Innern dieser meiner Hauptgemeine erweckt ward, theils von außen hereinbrach. In der Gemeine wurde nehmlich das Bedürfniß einer Kirchenordnung und Kirchenzucht rege und es wurden deßhalb mehrere Gemeindeversammlungen gehalten, welche dadurch stürmisch wurden, daß die Freunde der schon in Deutschland gewöhnlich gewesenen Stunden oder Conventikeln mit den in der Gemeine vorhandenen Gegnern derselben hart zusammengeriethen, obwohl im kirchlichen Bekenntniß beide Theile einig waren. Es wollte sich von der ascetischen Seite ein gesetzlich Wesen geltend machen, welches nur Zorn wirkte, da die Gegner der Asceten sich verachtet fühlten und daher die Conventikelform der Ascetik nicht aufnehmen wollten, weil an den Hauptleuten dieser Form keine besseren Früchte sich zeigten, als an den Andern. Als nun diese innere Spaltung gefährlich zu werden drohte, da kamen die Methodisten und hielten 4 Meilen von hier eine Lagerversammlung, Camp meeting genannt, in welcher sie etliche herrnhutische Familien am Rabbs Creek gewannen, die sich bisher zu mir gehalten hatten und denen ich in der Regel einen Sonntag um den andern gepredigt hatte. Diese früher herrnhutischen Leute gingen, wie sie sagen, als Gegner hin, wurden aber überzeugt, wie sie sagen. Eine ihrer Frauen wurde durch die unaufhörlichen Anstürmungen mit Zuspruch und Gebet, durch Umhalsungen und Anreden beredter Weiber, durch hüpfende, überschwängliche Gesänge, so weich und berauscht gemacht, daß sie umfiel. Darauf wurde sie prächtig getröstet und fand den Frieden, wie sie sagt. Ueber eine andere Frau, die Frau Jeschke aus Weicha, die als Wittwe den Wittwer Noack aus Gröditz geheirathet hat, kam der Geist des Lachens und der Verzückung, als wollte sie vor Freuden in den Himmel fahren. Das ist denn die einzige Familie aus meinen hiesigen Wenden, die von der lutherischen Kirche abgefallen und methodistisch geworden ist. Die Methodisten kamen einmal über das andere in mehrere Familien meiner Gemeinde, luden sie in ihre Versammlungen, wo alle Glieder, einer nach dem andern, beten müssen, zudringlich ein und wollten mir meine Gemeinde entfremden und an sich ziehen. Ich hatte damals einen harten Stand, da manche sich dort hingezogen fühlten, weil es, wie sie sagten, dort ernstlicher herginge als bei uns. Ich predigte dagegen: Die reformirte Kirche, die die Lutheraner in Preußen, als ihre Wächter schliefen, mit Manier und Unmanier aus 7000 Kirchen herausgedrängt hat, die greife uns hier in der methodistischen Form an. Ich höre, sagte ich, daß Etliche von uns zu den Methodisten gehen wollen, wiewohl ich es noch nicht recht glauben kann. Warum wollen sie, wenn es doch so seyn sollte, zu dieser Partei hingehen? Weil dort am Rabbs Creek Erweckung ist und bei uns ist keine Erweckung.