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O du frye gfenknus, wol bist du vns sô lîcht!
Jn vnsers hêrren begreptnus des fron zarten lîbs!
Vil iâr vnd tag ich bgert hân dein,
du bist mir nun zlieb worden, iez gân ich ûsz vnd ein

bl. 16 a.
 
601
Die kirch ist grôsz vnd kostlîch vnd bgrîft vil helger stett,

die cristen all gemoinlîch send drin mit mengem gfert;
wer Jhêsum Krist für sîn Got halt,
er glaub das, wie er welle, sô fint er sîn gestalt.
 
Ein procesz wir dô machtend um die holgen stett
in unser frawen capell, dô ist die saul gesezt,
an der Jhêsus gegaislet ward
remisch gnâd wir dô enpfiengend vnd kâment hin fürbasz.
 
Wir send stapfel vff gangen zum berg Calvârie,
dô Krist am crîz ist gstorben, dô er den tôd an loid;
dô sichst das loch im felsen noch,
dô ’scrîz ist in gestanden, die stain spelt sicht man noch.
 

613
Ein lust was esz ze sehen der bilgri grôsz andâcht,

die an den holgen stetten mit ernst dô ward verbrâcht
mit woinen, betten, inikait,
esz wêr eim stainin herzen sîn sind dô worden loid.
 
Den berg hând wir verlâszen vnd giengend bald harab,
in den schênen garten, dô stât das helig grab,
in felsen ghauen maisterlîch,
dâr in Krist ward vergraben, arstund drûsz untötlîch.
 

bl. 16 b.
Unser freid was grôsze, es wêr’s der Ostertag;

wir jubiliertend fast sêr vnd sungent alleluja!
all vnser loid vnd trûrikait
ist vns dô verwandlet in ein frêlikait.
 

625
Vom grab wir vns abschiedent vnd kâment in ein kruft,

vast tief wir abhi giengent, dô was kain liecht noch luft.
Helena, dô die trei crîz fand,
das recht hât sy erkenet, der tôt zuom leben kam.
 
Noch vil holger orten im tempel send harum,
die nacht wir sie besuochtend mit liechten um vnd um;
sô dick s’eim bilgri eben was,
gieng er vff Calvâria vnd in das helig grab.
 
An mitten in dem tempel, dô stât das helig grab,
dâr bî gen Orienten ist kirch von Golgatha;
die stât amitten in der welt;
man zoigt an ort im kore, dô ist s’mittel der welt.

Empfohlene Zitierweise:
Anton Birlinger (Hrsg.): Felix Fabri: Bruder Felix Fabers Gereimtes Pilgerbüchlein (1480). E. A. Fleischmann’s Buchhandlung, München 1840, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bruder_Felix_Fabers_Gereimtes_Pilgerbuechlein.djvu/18&oldid=- (Version vom 31.7.2018)