Seite:Burney - Tagebuch einer musikalischen Reise 3. Bd 1773.pdf/223

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es mich durchgängig hören zu lassen. Herr Bach hat in so langer Zeit nicht mehr auf der Orgel gespielt, daß er sagt, er wisse nichts mehr auf dem Pedal zu machen, welches durch ganz Deutschland für so wesentlich nothwendig gehalten wird, daß man den für keinen guten Organisten achtet, der es nicht zu gebrauchen weiß. Man hat an diesem Instrumente einen Schweller anbringen wollen, aber er ist nicht sonderlich geglückt. Es sind bloß drey Register darauf gesetzt, und das Crescendo und Diminuendo ist dadurch so gering, daß ichs nicht bemerkt haben würde, wenn mirs nicht gesagt worden wäre.

Oben an der Fronte der Orgel steht Matthesons Portrait und an der Galleriefronte ließt man eine schöne altmodische lateinische Inscription, welche Nachricht von seinem Vermächtniß giebt. Dieser gute Mann war mehr mit Pedanterie und wunderlichen Einfällen begabt, als mit wahrem Genie. In einer von seinen Singekompositionen für die Kirche, wo im Texte das Wort Regenbogen vorkam, gab er sich unendliche Mühe, daß die Noten in seiner Partitur, die Gestalt eines Bogens bekamen. Dies mag ein Pröbchen seyn, von seinem Gschmack und Urtheil, in Ansehung dessen, was man schicklicher Weise in der Musik ausdrücken und nachahmen kann.

Seinem Testamente zufolge ward an seinem Begräbnißtage eine Trauermusik in der Kirche aufgeführt,