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XIV.
Der Neumarkt

vom Jüdenhofe her aufgenommen 1749. Links die Königliche Gemäldegalerie: als Stallgebäude unter Kurfürst Christian I. durch Paul Puchner in den Jahren 1586 bis 1591 errichtet und mit reichbemalten Fassaden und vielen Giebeln ausgestattet, erhielt das Gebäude im Aeussern eine neue Gestalt im Jahre 1729 durch August den Starken, indem dieser die grosse Freitreppe vorlegen und das obere Stockwerk ausbauen liess, um es zu Hoffesten und Wohnungen für hohe Gäste zu benutzen. In den Jahren 1744 bis 1747 wurde das Obergeschoss zur Aufnahme der Gemäldegalerie hergerichtet und, nachdem diese 1855 in das neue Museum übergeführt worden, von 1872 bis 1876 nochmals einem Umbaue unterzogen. – Das dem Galeriegebäude gegenüber an der Ecke der Augustusstrasse gelegene Haus mit den zwei Giebeln, vor dem ein Reisewagen steht, ist der Lindenbergsche Gasthof, der 1760 abbrannte und, seit 1813 mit dem nächsten Hause nach rechts vereinigt, das jetzige Hotel „Stadt Berlin“ bildet. In der Mitte erscheint die Frauenkirche, davor die Hauptwache mit dem Galgen und dem Esel; die Wachmannschaft ist vor dem sich vorüberbewegenden königlichen Wagenzuge ins Gewehr getreten. Weiter nach rechts bietet sich ein Einblick in die Pirnaische Gasse, die jetzige Landhausstrasse. Die rechte Bildseite nimmt der Westflügel des Gewandhauses ein, worin sich der Rathskeller befand. (Oelgemälde Nr. 610 in der Königlichen Galerie.)




XV.
Die Frauenkirche

von der Hauptwache aus aufgenommen 1757. Die Kirche wurde an Stelle des aus dem Mittelalter stammenden, 1727 abgebrochenen alten Gotteshauses vom Rathszimmermeister George Bähr seit 1726 erbaut; nach seinem 1738 erfolgten Tode wurde statt der von ihm als Krönung des Gebäudes geplanten steinernen Pyramide 1740 eine Laterne mit Holzdach aufgesetzt. Die gewaltige Steinkuppel widerstand im Juli 1760 den Bomben der preussischen Belagerer, während diese das davorstehende Hauptwachgebäude zerstörten. Das Haus rechts hinter der Kirche führte den Namen die „Glocke“. Weiter öffnet sich ein Einblick in die Rampische Gasse, an deren unterem Ende das 1729 vom Feldmarschall Grafen Wackerbarth erbaute spätere Kurländer Palais, das 1764 vom Chevalier de Saxe durch Knöffel zu seiner jetzigen Gestalt umgebaut wurde. Eine Abtheilung Garde du Corps reitet die Rampische Gasse hinunter. Auf der rechten Seite sind singende Kreuzschul-Kurrendaner vor einem Hause aufgestellt. (Oelgemälde Nr. 617 in der Königlichen Galerie.)




XVI.
Die Ruinen der Pirnaischen Vorstadt

aufgenommen 1766. Der Vordergrund stellt die aus der wiederholten Niederbrennung der Vorstadt am 10. November 1758 und 30. August 1759 herrührenden Häuserruinen entlang der Contreescarpe (jetzt Amalienstrasse) etwa von der Drehgasse bis zur äusseren Rampischen Gasse (jetzt Pillnitzer Strasse) dar. Links bemerkt man die stehengebliebene Fassade vom Palais des Generals von Fürstenhof am Festungsgraben (jetzt Amalienstrasse 11 und 13), rechts davon die Brühlsche Terrasse mit dem Hofgärtnereigebäude, dahinter die Festungswälle der Neustadt und die Weinberge der Lössnitz, rechts im Hintergrunde die Loschwitzer Berge. Die Ruinen sind von Menschen und Hausthieren belebt, die sich dort wohnlich eingerichtet haben.




XVII.
Das Dohnaische Thor in Pirna

am Ausgange der Dohnaischen Strasse, vom innern Ende der Breiten Strasse aus gesehen. Dieses Thor, durch welches man von Dresden kommend die Stadt betritt, ist 1811 abgebrochen worden. Die Ausfüllung der von Steingeländer eingefassten Wallgräben begann 1841 und war 1869 beendet; ihre Stelle nehmen jetzt Gärten und Promenaden ein. Jenseit des Grabens ist die an das äussere Thor sich anschliessende, mit Thürmen besetzte Stadtmauer sichtbar, hinter der, vom innern Thorthurme ausgehend, eine zweite, höhere Mauer lief; der Raum zwischen beiden hiess der Zwinger. Diese Befestigung schliesst sich an die des Sonnensteins an, indem sowohl die Wallmauer wie die äussere und innere Stadtmauer den Berg hinaufgeführt sind. Ueber dem äussersten Gatterthor ragt der Rathhausthurm, weiter nach rechts die Stadtkirche hervor. (Oelgemälde Nr. 621 in der Königlichen Galerie.)




XVIII.
Das Oberthor in Pirna,

auch das Steinische Thor genannt, am obern Ausgange der Burgstrasse, von der Königsteiner Strasse aus gesehen. Im Hintergrunde links ist der Rathhausthurm sichtbar, in der Mitte die Stadtkirche, rechts der Sonnenstein, etwas unterhalb desselben der Weisse Thurm, auch Schwedenthurm genannt, weil nach der Eroberung der Stadt durch die Schweden im Jahre 1639 zwischen ihnen und der Schlossbesatzung heftig um diesen Thurm gekämpft wurde; sein Unterbau ist nebst einem Stück Stadtmauer am Wege nach der Schlossschänke heute noch zu sehen. – Auf dem Raume hinter dem schindelgedeckten kleinen Hause rechts vom Stadtthore steht jetzt das Eingangsthor zu dem Genesungshause der Heilanstalt, dessen Gartenanlagen sich den Berg hinaufziehen. (Oelgemälde Nr. 624 in der Königlichen Galerie.)




XIX.
Der Sonnenstein nach Süden

von der Höhe der Königsteiner Strasse her aufgenommen. Die Burg oder das Schloss von Pirna, urkundlich schon 1269 genannt, trägt erst seit etwa 1530 den Namen Sonnenstein. Die Verstärkung seiner Werke zu einer eigentlichen Festung erfolgte kurz nach 1670, dagegen wurde es als solche schon 1764 wieder aufgegeben. Die Einrichtung des Schlosses zur Irrenheilanstalt fand 1811 statt; die Gebäude wurden seitdem für diesen Zweck verändert, erweitert und zum Theil neu aufgeführt. Das Bild zeigt rechts die nach Südosten und Südwesten gewendete Rückseite des Schlosses, unterhalb desselben den Schwedenthurm, weiter nach links die Stadtkirche und sodann den Thurm des Oberthores. Von hier führte aus der Tiefe die Königsteiner Strasse durch das auf der rechten Bildseite dargestellte Thor der äussern Festungswerke des Schlosses

Empfohlene Zitierweise:
Otto Richter (Archivar): Canaletto-Mappe. Wilhelm Baensch, K. S. Hofverlagsbuchhandlung, Dresden 1895, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Canaletto-Mappe_(Otto_Richter).pdf/9&oldid=- (Version vom 31.7.2018)