Seite:Central-Commission Jahrbuch 03 Die Kirche des ehem. cisterzienser Nonnenkloster Porta Coeli zu Tisnowic.pdf/002

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
251




I. BAUGESCHICHTE.

Kaum drei Meilen in nordwestlicher Richtung von Brünn, der Hauptstadt Mährens, entfernt, liegt die Stadt Tišnowic und in geringer Entfernung von derselben das sogenannte Vorkloster Tišnowic mit dem herrlichen Gotteshause, welches den Gegenstand dieser Abhandlung bildet.

Das anmuthige Thal, in welchem die Stadt und das Vorkloster gelagert sind, umgeben Höhen, unter denen im Osten der Berg Kwětnica, dessen Schooss reiche Mineralschätze birgt, malerisch hervorragt. Die Schwarzawa (Swratcawa), von dem böhmischen Grenzgebirge einherströmend, durchrauscht das Thal und nimmt in der Nähe des Vorklosters den Wildbach Loučka und bald darauf den Bach Běhenek auf. Das Zusammenströmen dieser Wasseradern verleiht dem Thale lautes Leben und malerischen Reiz, ist aber auch die Ursache häufiger Überschwemmungen. In diesem von romantischen Waldhöhen umschlossenen Thale gründete Constantia, die Tochter Bela’s III., Königs von Ungarn, und Witwe des böhmischen Königs Přemysl Otakar I., mit wahrhaft königlichem Aufwande eine Nonnenabtei des Cistercienser-Ordens. Königin Constantia hatte anfänglich die Absicht, ein Cistercienser Nonnenkloster zu Prag bei der Kirche des heil. Peter, welche in dem von deutschen Ansiedlern bewohnten Pořič lag und den deutschen Ordensrittern gehörte, zu gründen. Zu diesem Zwecke verkaufte sie mehrere Güter, welche ihr von ihrem Sohne König Wenzel I. geschenkt waren, dem Kloster Tepl, und verwendete die gelöste Summe grösstentheils zum Ankauf der Kirche und des Klosters zu St. Peter wie auch mehrerer den deutschen Rittern gehörigen Güter. Später aber änderte sie ihren Vorsatz, weil, wie die betreffende Originalurkunde besagt, jener Ort für die Nonnen nicht bequem genug und zweckentsprechend war, und fasste den Entschluss das Frauenkloster an einem vom Geräusche der Hauptstadt entlegenen Orte zu gründen. Zu diesem Zwecke erkaufte Constantia in Mähren die Güter Tusnow (Tišnow) und Březni (Březina) von dem Johanniter-Orden[1]; ihr Sohn, der Markgraf Přemysl, liess im Jahre 1233


  1. 1233, 6. Febr. Prague. Conceperamus siquidem Pragae in ecclesia, quae dicitur sancti Petri, in qua fratres hospitalis S. Mariae de domo Teutonica morabantur, locare Cisterciensis ordinis moniales, ad quarum alimoniam ab eisdem fratribus Glupetin cum suis pertinentiis, et quaedam bona alia comparavimus pro mille et quingentis marcis, et in sexcentis marcis abbatem et conventum Teplensis ecclesiae ipsis fratribus delegavimus debitores. Verum quia in ecclesia S. Petri Pragae dominae religiosae ordinis Cisterciensis commode non poterant commorari, ipsis in Moravia, in loco, qui Tušnovic dicitur, competentem constituimus mansionem. Orig. arch. Tepl. Erben. Regesta 376. — Das Kloster und die Kirche zu St. Peter sammt den von dem deutschen Orden erkauften Gütern widmete Constantia dem von ihrer Tochter Agnes gestifteten Hospitale zu St. Franciscus, welches den Kreuzherren mit dem [252] rothen Sterne übergeben ward. Der Wohnsitz der Kreuzherren wurde aber bald darauf (1237) in die Nähe der Brücke übertragen, wo das Kloster bis auf den heutigen Tag in segensreicher Blüthe besteht. — Dass Tišnow (Thusnou) und Březina (Brezni, Brezie) früher Eigenthum des Johanniter-Ordens waren, erhellt aus den beiden Bestätigungs-Urkunden vom Jahre 1168 und 1214. Boczek, Codex Morav. I, 281, II, 76.
32 *