Seite:Central-Commission Jahrbuch 03 Die Kirche des ehem. cisterzienser Nonnenkloster Porta Coeli zu Tisnowic.pdf/019

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268 J. E. Wocel.


der Wächter des Heiligthumes gelagert sind; bemerkt muss jedoch werden, dass der Schaft der nördlichen Tragsäule weggebrochen ist.

Ein weiter Gurtbogen, der weniger gedrückt als die Bogenrippen des Portals von der Schwunglinie derselben bedeutend abweicht, bildet die äusserste Einfassung des Ganzen und zugleich den Wandgurt des Gewölbbogens, der, wie die übriggebliebenen Bruchstücke der Bogenrippen andeuten, die dem Eingange der Kirche vorgebaute Halle oder das Paradies überspannte. Zierliches Weinlaub schmückt die vortretenden Consolen der beiden ehemaligen Arcadenbogen; leider ist auch dieser Consolenschmuck beschädigt. – Neben dem Portal zur rechten Hand ist ein aus der Renaissanceperiode herrührendes Reliefbild angebracht, welches den betenden Heiland am Ölberge mit den schlafenden Aposteln darstellt. Zur linken Seite des Portals lehnt an der Kirchenmauer eine 6½ Fuss hohe und 4½ Fuss breite Marmortafel, welche der gegenwärtige Localseelsorger Herr Dr. Bíly vor etwa zwei Jahren aus dem neuen Wasserbehälter, in dessen Boden jene Tafel eingesetzt war, heben und an den bezeichneten Ort setzen liess. Ein im Renaissancestyle ausgeführter Schmuck ziert den untern Theil des Denksteins, dessen obere Hälfte mit einer Aufschrift bedeckt ist, welche, wiewohl aus dem 18. Jahrhunderte herrührend, interessante Angaben über den ehrwürdigen Bau, an dessen Vorderseite die Tafel ohne Zweifel ehemals angebracht war, enthält.

Bemerkt muss werden, dass die rechte Seite der Tafel abgeschlagen wurde, als man die Platte zur Ausfütterung des Wasserkastens verwenden wollte; daher die Schlussworte der einzelnen Zeilen in dem hier angeführten Texte der Aufschrift ergänzt und durch Klammern abgesondert sind:

Piisque manibus

Ossibusque ac Cineribus hic pie quiescentibus divae Con[stantiae
Belae Hungariae Regis III. Filiae, Premyslai Otta[kari Bohe-
miae Regis Conthoralis Vitae Integritate Admirabilis [Tisnovicensis
Coenobii Portae Coeli Fundatricis ac Dicatricis Munifi[centissimae, quae
Fundamentis hujus ad supremum apicem perductis coeno[btoque omni-
mode accomodato vitam hanc temporalem cum aetern[a commutavit
anno Salutis MCCXL, post fundatum monasterium VII [Haec itaque
immortali memoria dignissima omni futurae [aetati
manere cupiens huic marmori incidi [jussit
A. M. S. D. P. A. (Anna Maria Scrimirska De Pilsenburg Abatissa).

quae vestigiis hujus sanctae recordationis Fundatricis insistens
potiorem hujus Claustri partem templumque ipsum
Renovavit
anno MDCL.

In der unteren Partie der Tafel gewahrt man, von Arabeskenreliefs umschlungen, die Wappen Böhmens und Mährens, tiefer aber schwebt eine Krone, aus welcher zwei Scepter hervorragen, und unter dieser erblickt man das Wappenschild von Ungarn und das ältere Wappen Galiziens, den Löwen mit gezücktem Schwerte in der Pranke[1]. Ein schmales Dach


  1. Durch Constanzia’s Vater, Bela III., wurden die Ansprüche der Könige von Ungarn auf Galizien begründet.