Den Beschluss in der Reihe der Chemnitzer Gotteshäuser macht die am 7. März 1899 eingeweihte Synagoge der israelitischen Gemeinde. Der Schöpfer dieses imposanten romanischen Bauwerkes ist der Chemnitzer Architekt Herr W. Bürger, dessen Entwurf bei der 1897 ausgeschriebenen Konkurrenz mit dem ersten Preise gekrönt und zur unveränderten Ausführung angenommen worden war.
Der äusserst stilreine romanische Kuppelbau gewährt mit seinem roten Ziegelmauerwerk, das aus dunkelgrünem, mit Granitsims abgeschlossenem Sockel emporsteigt, mit seinem dunkelgrünglasierten, der Abwässerung dienenden Schrägsteinen, mit seinen in Granit ausgeführten Fenstergerüsten und mit seiner hellgrünen, aus glasierten Falzziegeln hergestellten Bedachung einen eigenartigen architektonischen Reiz und hebt sich in prächtiger Farbenwirkung malerisch von seiner Umgebung ab.
Dem imposanten Äussern entspricht die in reicher Pracht gehaltene Innenausstattung der Synagoge, zu welcher die aus der Hofglasmalerei von C. L. Türck-Zittau stammenden Figurenfenster sowie die von der Firma Schlag & Söhne-Schweidnitz erbaute Orgel nicht wenig mit beitragen. Die Gesamtkosten der für 700 Personen Raum bietenden Synagoge betrugen rund 275 000 Mark und wurden von der erst 1888 konstituierten Gemeinde aufgebracht, nachdem bereits im Jahre 1878 von einigen israelitischen Männern der Stadt ein kleiner Betsaal erbaut worden war.
: Chemnitz am Ende des XIX Jahrhunderts in Wort und Bild. Körner & Lauterbach, Chemnitz ca. 1900, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Chemnitz_am_Ende_des_XIX_Jahrhunderts_in_Wort_und_Bild.pdf/101&oldid=- (Version vom 24.5.2025)