Von dem Königlichen Ministerium des Innern erhielt er im Jahre 1845 eine Prämienauszeichnung von 1000 Thaler für die Herstellung von Webegarnen, die dem englischen Gespinnst an Güte vollständig gleich kamen. Ebenso wurde er von dem hohen Ministerium im Jahre 1835 wegen seiner hervorragenden Verdienste im Bau von Spinnereimaschinen für die Fabrikation von Floretseide durch ein Diplom öffentlich belobt. Leider führten sich damals die letztgenannten Maschinen nicht ein und musste schliesslich die versuchsweise aufgestellte Einrichtung nach Italien verkauft werden, woselbst sie glänzende Erfolge hatte.
Die Harthauer Lokalitäten gingen im Jahre 1849 in die Hände des Herrn C. F. Solbrig über, nachdem die Kammgarnspinnerei von Haubold nach Rochlitz verlegt worden war.
Am 18. Mai 1856 verstarb Haubold nach einer langjährigen, erspriesslichen Thätigkeit im Alter von 73 Jahren in Rochlitz, hochgeehrt und geachtet von allen, die ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatten.
Die seitens seines Vetters, Carl Gottfried Haubold, unter der Firma C. G. Haubold jr. begründete Maschinenfabrik besteht heute noch im vollen Betriebe, sie wurde nach dessen Tod von seinem Sohne Friedrich Hermann Haubold, geboren 1818, gestorben 1893, in vorzüglicher Weise weiter geleitet und unter dem Fleisse und der rastlosen, umsichtigen Thätigkeit von dessen Sohne und jetzigem Besitzer der Fabrik, Carl Hermann Haubold, geboren 1845, zur vollen Blüte entfaltet. Während alle grösseren, seit Einführung des Chemnitzer Maschinenbaues entstandenen Maschinenfabriken mit der Zeit in Aktiengesellschaften umgewandelt wurden, verblieb die Haubold’sche Fabrik bis zum heutigen Tage in Privatbesitz und repräsentiert so das grösste Privatunternehmen im Maschinenbau nicht nur in Chemnitz, sondern auch in Sachsen.
Der gute Ruf, welchen die Fabrikate sowohl im In- als auch im Auslande geniessen, erforderte von Jahr zu Jahr Erweiterungen, welche gerade in den letzten Jahren in bedeutendem Umfange zur Ausführung gelangten, sodass gegenwärtig 850 Arbeiter, einschliesslich Beamte, lohnende Beschäftigung finden. Stets dem Fortschritte huldigend, hat es sich die Firma angelegen sein lassen, ihre Fabrikate durch fortwährende Verbesserungen und Vervollkommnungen auf die Höhe der Zeit zu stellen, so dass dieselben infolge ihrer vorzüglichen Konstruktion und Leistungsfähigkeit in sämtlichen Kulturstaaten gesucht und rühmlichst bekannt geworden sind.
Die Fabrikation erstreckt sich auf die Herstellung einzelner Maschinen sowie Komplett-Einrichtungen für Bleicherei, Färberei und Appretur für Garne und Gewebe sowie für Papier-, Wachstuch-, Ledertuch- und Gummifabrikation, ferner auf den in den letzten Jahren neu aufgenommenen Bau von Eis- und Kühlmaschinen, welche insbesondere vorteilhafte Verwendung in der Chokoladenfabrikation, in der chemischen Industrie, in Fleisch- und Wurstfabriken, Bierbrauereien etc. finden und sich guten Rufes erfreuen.
Zu diesem umfangreichen Werke, welches seit dem Jahre 1870 unter der vorgenannten Firma als Aktiengesellschaft besteht, wurde im Anfang des Jahres 1837 von Herrn Richard Hartmann mit einer Werkstatt der Grund gelegt, in welcher drei Arbeiter Beschäftigung hatten. Während der ersten Jahre wurden vorzugsweise Reparaturen an Baumwollspinnmaschinen, später diese selbst hergestellt und fanden mit dieser Beschäftigung nach und nach 30 Arbeiter ihr Brod. Schon 1840 erhielt das kleine Werk einen bedeutenden Aufschwung durch die Erfindung und Ausführung des Florteilers (Continue) für Streich- und Tuchgarne, welche so schnellen Eingang in allen Spinnereien fand, dass Richard Hartmann den an ihn gestellten Anforderungen bald nicht mehr zu genügen vermochte. Seit der Bau dieses Florteilers immer mehr in den Vordergrund trat, ward auch der Herstellung von Streichgarn-Spinnmaschinen ein Hauptaugenmerk zugewendet und ist das Etablissement bis auf den heutigen Tag für Streich-, Vicogne-, Abfall- und Kunstwollspinnnerei, sowie Tuchfabrikation das mit allen Neuerungen und Verbesserungen vorangehende geblieben, während der
: Chemnitz am Ende des XIX Jahrhunderts in Wort und Bild. Körner & Lauterbach, Chemnitz ca. 1900, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Chemnitz_am_Ende_des_XIX_Jahrhunderts_in_Wort_und_Bild.pdf/158&oldid=- (Version vom 13.6.2025)