entstanden sind. Nach der Erwerbung des Schlossteiches durch die Stadtgemeinde im Jahre 1860 trat man bald dem Gedanken näher, den Teich mit hübschen Anlagen zu umgeben. Unter der Leitung des damaligen Stadtrates Carl Robert Zipper begann man zunächst mit der Befestigung, teilweisen Erhöhung und Einebnung des alten, schadhaft gewordenen Teichdammes. Dann wurde der neue Promenadenweg angelegt und mit einer Baumallee bepflanzt, und schliesslich entstand in den Jahren 1867–1869 gleichfalls unter Überwindung grosser technischer Schwierigkeiten die nach den Plänen des Hofgärtners Poscharsky in Dresden angelegte Insel, um deren Bepflanzung sich dann der am 31. Juli 1867 gegründete Verschönerungsverein eifrigst bemühte und verdient machte.
Der ganzen aufopfernden Thatkraft eines Mannes, wie Zipper, hatte es bedurft, das Werk zu stande zu bringen, dem sich ausser vielfachen, unvorhergesehenen technischen Schwierigkeiten auch Widerwärtigkeiten selbst persönlicher Art entgegenstellten. Der Teich und seine Anlagen besitzen aber noch heute die Gestalt, die sie damals erhielten. Und aus dem seiner Zeit vielverspotteten Schlamm des Teiches ist die Insel entstanden und mit den übrigen Anlagen ein Stolz der Stadt
geworden. Unausgesetzt pflegt diese liebe- und verständnisvoll die einst so viel- und heissumstrittene Schöpfung zielbewussten Bürgersinnes und hat ihr in der 1881 angelegten Fontaine einen weiteren schönen Schmuck verliehen. Und ob im Sommer die Anlagen auf der Insel und um den Teich grünen und blühen und die im Sonnenlicht strahlende, weite Fläche des über 12 Hektar grossen Teiches von zahlreichen Gondeln in fröhlicher Fahrt durchfurcht wird, oder ob im Winter eine vielköpfige Menge auf der spiegelglatten Eisfläche sich tummelt, ob der Herbststurm tosend über den Teich dahinfährt und dessen Fluten klatschend gegen die festen Dämme schlägt oder in stiller Nachtzeit das silberne Licht des Mondes über die leise rauschende Fläche dahinzittert, immer wieder bietet der Schlossteich ein schönes Landschaftsbild dar, zu dem auch seine Umgebung mit beiträgt.
Mitten aus dem Getriebe der Hartmannstrasse heraus, an einer Hochburg der Chemnitzer Industrie, der Sächsischen Maschinenfabrik, vorüber, deren Gebäude das Südwestende des Teiches umfassen,
: Chemnitz am Ende des XIX Jahrhunderts in Wort und Bild. Körner & Lauterbach, Chemnitz ca. 1900, Seite 49. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Chemnitz_am_Ende_des_XIX_Jahrhunderts_in_Wort_und_Bild.pdf/57&oldid=- (Version vom 9.4.2025)