Bereits im Jahre 1885 hatte die St. Johannisgemeinde mit Rücksicht auf eine immer notwendiger werdende abermalige Teilung draussen auf der Höhe des Sonnenberges einen Kirchbauplatz erworben, der als eine Erweiterung des Körnerplatzes nach Osten zu gedacht war. Nachdem dann mit dem 1. April 1891 der dazu bestimmte Teil der St. Johannisparochie als selbstständige St. Marcusgemeinde ausgeschieden war, erfolgte bereits 1892 das Preisausschreiben für den nunmehr zu errichtenden Kirchenbau. Die Entwürfe der Firma Abesser & Kröger in Berlin erhielten den ersten Preis und gelangten auch nach mehrfachen Abänderungen zur Ausführung.
Am 27. Oktober 1893 wurde der Grundstein gelegt, zwei Jahre darnach, am 13. November 1895, konnte die Kirche geweiht werden.
Ein reiner Backsteinbau in frühgotischem Stile, erhebt sich die St. Marcuskirche mit ihrem doppelhelmigen Turme noch 76,60 Meter über dem Unterbau, den man auf der West- oder Turmseite bereits bis zu einer Höhe von 7,50 Meter emporführen musste. Da die Kirche selbst 327,8 Meter hoch gelegen ist, so hat ihr Turm als der höchste der Stadt zu gelten. Der Innenbau der Kirche, dessen Wölbung bis zu 20 Meter hoch ist und auf vier 14 Meter von einander entfernten Pfeilern ruht, gewährt mit seiner zentralen Anlage, mit seinen hochgezogenen Querschiffemporen und mit dem eigenartig konstruierten Westchor 1350 Sitzplätze. Die Kartons zu den Malereien und die Figurenmalerei selbst stammen vom Maler O. Berg in Berlin, die Glasmalereien von Bruno Urban in Dresden, während die 45 Register enthaltende, durch Elektromotor betriebene Orgel aus der Werkstatt der Hoforgelbauer Gebr. Jehmlich in Dresden hervorgegangen ist. Die drei Glocken schliesslich, in B-Des-Fes gestimmt und zusammen 5248,5 Kilogramm schwer, wurden vom Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation geliefert.
: Chemnitz am Ende des XIX Jahrhunderts in Wort und Bild. Körner & Lauterbach, Chemnitz ca. 1900, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Chemnitz_am_Ende_des_XIX_Jahrhunderts_in_Wort_und_Bild.pdf/89&oldid=- (Version vom 3.5.2025)