| Cornelius Gurlitt: Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung. Theil II Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt | |
|
|
Der Aufriss zeigt seitlich zwei kräftige, gemauerte und verputzte Pfeiler mit einem Kopfgesims, Viertelstab mit kräftiger Platte; darüber baut sich eine hölzerne Stirnwand im Stichbogen auf, die Brettstösse sind durch aufgelegte Leisten verdeckt. Innerlich dahinter ist das Ganze als halbe Flachkuppel verschalt und verputzt, äusserlich Zinkabdeckung.
Dieser Bau dürfte ebenfalls der Zeit um 1750 angehören.
Im Nachbargrundstück nach der unteren Strasse zu ein Rest eines Brunnenwerkes: Ein Flussweib hebt ein Kind empor. In Sandstein, etwa lebensgross. Wohl Anfang 18. Jahrh.
Dieses Grundstück ist erst vor einigen Jahren abgetrennt worden.
Das Wohnhaus wurde spätestens seit 1653 für Kurfürst Johann Georg II. gebaut und unter Kurfürst Johann Georg III. vollendet. Es blieb mit dem ganzen Grundstück in staatlichem Besitz bis 1889, wo es an Private verkauft wurde. Der letzte Besitzer, General von Suckanoff-Podkolzine liess den Bau sorgfältig restauriren. Das Wohnhaus (Fig. 148) besteht aus einem überwölbten Erdgeschoss, einem Obergeschoss in verputztem Fachwerk, einer vorgelegten Wendeltreppe und Walmdach. Von schlichtem Aeussern bis auf den im 18. Jahrhundert aufgesetzten wirkungsvollen Dachreiter. Die Fenster des Obergeschosses sind gekuppelt und durch eine schlichte Brettumrahmung zusammengefasst. Die Wetterfahne mit dem Kurwappen und der Jahreszahl 1677 dürfte erst nachträglich vom Thurme auf den Dachreiter gesetzt worden sein.
Das zu Seiten der Thüre angebrachte Meissner Stadtwappen ist erst vom General von Suckanoff hierher versetzt worden. Die Herkunft des Wappens ist unbekannt.
Das ganze Obergeschoss (Fig. 149) ist in seiner alten Einrichtung erhalten und eines der bemerkenswerthesten Beispiele der Dekorationsweise des 17. Jahrhunderts. Es ist mit Fachwerkbau ausgeführt und besteht aus einen mittleren, vom theilweise eingebauten Treppenthurm zugänglichen Saal von 7 m Geviert, der die ganze Hausbreite einnimmt und zwei kleinere Seitenräume auf jeder Seite. Ueber die beim Bau beschäftigten Künstler ist nichts bekannt.
Cornelius Gurlitt: Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung. Theil II Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt. In Commission bei C.C. Meinhold & Söhne, Dresden 1904, Seite 139. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Cornelius_Gurlitt_Kunstdenkm%C3%A4ler_Dresden_Neustadt_1904.pdf/152&oldid=- (Version vom 4.12.2025)