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Dann begrüßte mich Heribert Lefeld, ein Großagrarier von jener still-vornehmen Art, die jeden Menschen adelt.

Im kühlen Speisesaal Kaffeetafel zu dreien … Erst noch kurze Besichtigung des Schlosses.

Ein uralter Bau, nicht gerade architektonisch wertvoll, aber würdig, massig. Einst hatte hier ein Adelsgeschlecht gehaust, hatte gepraßt, hatte die neue Zeit verschlafen …

Da ein gewandter alter Diener, tadellos geschult, still hin und her ging, war die Unterhaltung ohne intimen Klang. Außerdem hatte auch Heribert Lefeld für unsere Abenteuer geringes Interesse. Er war Landwirt mit Leib und Seele. Gegen fünf entschuldigte er sich und ritt nach der Lehmgrube. Er wollte den Einsturz der Nordwand selbst einmal in Augenschein nehmen. Frau Otti führte mich in ihr Allerheiligstes, ihren kleinen Salon …

Es gibt Räume, die klar und eindrucksvoll den persönlichen Stempel des Besitzers tragen. Es gibt andere, die stets nach Dekoration schmecken.

Hier in diesem Gedicht aus Goldkupfer war Frau Ottis Seele in jedem Stück. Die seidebespannten Wände, die Möbel, all die kostbaren Raritäten, all die Gemälde: Nirgends ein Farbenmißklang. Etwas tief beruhigendes strahlte dieser Raum aus.

In den weichen Sesseln, bequem und doch formenschön, eigenartig und doch kein aufgeblähter Kitsch, saß es sich wie im Schoße einer Liebsten.

Wir schalteten alles Kriminelle aus. Wir sprachen über Dinge, die in den verborgensten Winkeln der Seele schlummern und sich selten ans Licht wagen. Wir hielten Zwiesprache über des Lebens bitteren Sinn, über des Daseins unbefriedigende Unzulänglichkeiten und die heimliche Sehnsucht der schwerblütigen Naturen, die für die Welt die Maske leichter Lebensbejahung tragen.

Eine Stunde wie selten eine Stunde, die vielleicht nie

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Max Schraut: Dämon Chanawutu. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1928, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:D%C3%A4mon_Chanawutu.pdf/39&oldid=3305113 (Version vom 31.7.2018)