Seite:Dämon Chanawutu.pdf/45

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Dann bin ich neben ihm.

„N’Tag, Herr Reimert … – Gestatten: Schrimke … Ich wohne oben bei der Frau Rat … Von Ansehen kenne ich Sie bereits … Wir haben den gleichen Weg … Ich hatte einen Spaziergang gemacht und mich etwas verlaufen.“

Er entpuppt sich als der intelligente, offene, freundliche Mensch, wie Frau Otti ihn geschildert hatte … Er erzählt von dem großen Verdienst bei Lefelds … „Jetzt arbeite ich auf dem Vorwerk Ratzdorf drüben … Sehr nette Herrschaften, die Lefelds, gar nicht knauserig … – Leider habe ich mir gestern abend mein Rad kaputt gemacht. Ich wollte das eine Pedal gerade biegen – abgebrochen. – Pech! Nun, die Bewegung schadet mir nichts …“

Sehr bald kommt er auf Radio zu sprechen. Er ist begeisterter Bastler. Herr Schrimke auch. Wir sprechen über Schaltungen, über seinen Kofferempfänger.

Ich wundere mich, daß er den Mord nicht irgendwie erwähnt. Sollte das Vorwerk so ablegen sein, daß die Kunde noch nicht bis dorthin gedrungen[1] ist?!

Und ich erwähne so beiläufig: „Man hätte mich heute beinahe verhaftet …“

Er lacht. „Scherzen Sie?“

„Durchaus nicht … Wissen Sie nicht, daß man heute früh im Luch beim Haubenberg einen Toten gefunden hat?“

„Nein – keine Ahnung …“

So erzählte ich denn … Wie der Kommissar erschien, wie mein Freund Hirt mit seiner Sehnenzerrung im Bett lag, wie ich mit zum Tatort mußte und der Assistent Hirt bewachte …

Aber Reimert zeigte wenig Interesse für diese Dinge.

„Ich bin Techniker mit Leib und Seele,“ entschuldigte er sich. „Was jenseits der Grenzen meines Berufs liegt, verblaßt für mich vollkommen, Herr Schrimke. Man soll ja eigentlich nicht einseitig sein, aber niemand kann aus seiner


  1. Vorlage: gedrunken
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Dämon Chanawutu. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1928, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:D%C3%A4mon_Chanawutu.pdf/45&oldid=- (Version vom 31.7.2018)