Seite:Dämon Chanawutu.pdf/53

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Ich deutete schon vor Monaten in Berlin Ihnen und Harst gegenüber an, daß ich in den Jahren, da ich für verschollen galt, mancherlei erlebt habe. Das Haupterlebnis dieser Zeit war meine Begegnung mit Chanawutu. – Ich will mich ganz kurz fassen. In Kalkutta war ich Herbst 1925 im Hotel Imperial abgestiegen. Vor dem Hotel zeigte Tag für Tag ein junger Fakir mit glänzend schwarzem Vollbart seine Künste. Damals war Kalkutta gerade von reichen Amerikanern überschwemmt, darunter vielen Kriegsgewinnlern mit juwelenbeladenen Frauen und Töchtern. Das Hotel hatte besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen …“

Ein halb ironisches Lächeln begleitete seine folgenden Sätze …

„Ich war als Hoteldetektiv engagiert worden. Meinem einstigen Beruf hatte ich ja endgültig entsagt. Man hatte also einen früheren Bock zum Gärtner gemacht, und man fuhr gut dabei. – Eines Nachts – wir waren dort fünf Hoteldetektive – hatte man uns alle fünf durch raffinierte Mittel betäubt: vergiftete Getränke. In dieser Nacht wurden acht amerikanische Familien gründlichst bestohlen. Als ich morgens zu mir kam, war ich noch halbtot. Aber die Energie siegte. Chanawutu war mir längst verdächtig vorgekommen, da er sich stets dazu gedrängt hatte, in den Zimmern der Gäste Privatvorstellungen zu geben. An diesem Vormittag erschien er nicht vor dem Hotel. Das genügte mir. Ich kannte sein Quartier. Ich setzte mich mit der Polizei in Verbindung. Ich ermittelte, daß er mit einer malaiischen Prau[WS 1], mit deren Kapitän er häufiger zusammen gewesen, den Hugli-Fluß[WS 2] abwärts gefahren war. Ich riet der Polizei, eine Privatjacht zur Verfolgung zu benutzen, da zu befürchten stand, daß der Fakir seinen ungeheuren Raub ins Meer werfen würde, falls er Polizeikutter hinter sich erkannte. Als die Jacht die See erreicht hatte, herrschte sehr stürmisches Wetter. Wir entdeckten die Prau in wrackem Zustande

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Prau oder Proa, Segelschiffstyp aus Indonesien. Näheres hierzu findet sich in der Wikipedia unter Proa.
  2. Ein Mündungsarm des Ganges. Näheres in der Wikipedia unter Hugli.
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Dämon Chanawutu. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1928, Seite 53. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:D%C3%A4mon_Chanawutu.pdf/53&oldid=- (Version vom 31.7.2018)