Seite:Dämon Rache.pdf/16

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Dann erwachte ich … Um elf hatte ich dich glücklich auf dem Rücken durch das Laubengelände heimgeschleppt … Jetzt ist’s neun Uhr morgens …“

Mochte mein Hirn auch noch so matt und denkträge sein: wie Harald in Erinnerung an dieses Attentat lächeln konnte, war mir unklar!

Er mochte wohl auf meinem Gesicht den schnell wieder verschwindenden Ausdruck einer gewissen Gereiztheit bemerkt haben, denn seine Hand fuhr jetzt streichelnd über meine Schulter hin und seine Lippen bewegten sich zu einem inhaltsreichen, überraschenden Nachsatz:

„Diese Gasbombe, Alterchen, hat ihr Gutes gehabt … Als ich erwachte, hörte ich den Hafer dicht vor mir rauschen, öffnete daher die Augen mit einiger Vorsicht und … erblickte das schönste Weib, das in Berlins Häusermeer den Männern die Köpfe verdreht … eine Frau, die Eleganz in Person, mit von Seeluft und Sonne gebräuntem Gesicht … Sie merkte nicht, daß ich bereits munter war … Sie betrachtete uns, seufzte wiederholt, schien tief betrübt über unser Pech und … schlich schließlich davon … Du kennst sie, mein Alter … genau wie ich – vom winterlichen Wohltätigkeitsfest her. Es war die Filmdiva Lia Manara, die Frau mit den Gazellenaugen, wie man sie nennt …“

Ich richtete mich in meinem Sessel ruckartig auf. Der Name wirkte … Lia Manara … Lia Manara …!! – Sollte sie etwa mit zu den Leuten gehören, die einem armseligen Sandhändler nach dem Leben getrachtet hatten?! – Ob ich mich auf sie besann!! Wer Lia Manara ein einziges Mal gesehen hat, vergißt sie nicht mehr …

„Siehst du, mein Alter,“ meinte Harald, „nun bist du für das Frühstück reif und nachher auch für deine Sumatra … Es wird schon gehen … Versuch’s nur … Mathilde hat dir eine Hühnerbrühe gekocht, die der reinste Extrakt ist … Ich werde Mathilde rufen …“




Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Dämon Rache. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:D%C3%A4mon_Rache.pdf/16&oldid=- (Version vom 31.7.2018)