Seite:Dämon Rache.pdf/27

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„Helfen Sie mir, Herr Harst … Bedenken Sie, was alles für mich auf dem Spiele steht … – Ja – Friedrich Schnack war mein Vater … Er hatte mich einer Jugendverirrung wegen verstoßen. Er heiratete erst mit vierzig Jahren. Meine Mutter starb bei meiner Geburt. All meine Versuche, ihn zu versöhnen, waren erfolglos. Er nahm auch nicht die geringste Unterstützung von mir an …“

Was sie weiter vorbrachte, bestätigte Haralds Vermutungen in allen Punkten. Sie hatte in dem Wandtresor die Platte eines eigenartigen Manschettenknopfes gefunden. Sie wußte, daß ihrem Vater ein Paar derartige Knöpfe gehörten. Deshalb glaubte sie, daß ihr Vater aus irgendwelchen ihr freilich unklaren Beweggründen bei ihr eingedrungen sei.

Während sie dies alles erzählte, saß sie in recht hilfloser Haltung im Sessel, und ihr Antlitz zeigte einen Ausdruck gleicher Hilflosigkeit. … Es war ja auch für eine Lia Manara nicht ganz leicht, vor uns beiden einzugestehen, daß sie bereits vor ihrer ersten Ehe mit achtzehn Jahren Mutter geworden. Ihr Kind war jetzt zehn Jahre alt und hieß Eduard Schnack, wurde bei einem früheren Lehrer namens Rubner in Saßnitz auf Rügen erzogen und war nun verschwunden, wie das Telegramm der unglücklichen Mutter mitgeteilt hatte. –

Alle nun folgenden Fragen, die Harald an Lia Manara richtete, drehten sich um den einen Punkt: ob etwa die Diva oder deren Vater unversöhnliche Feinde besäßen. Denn Harst gab seiner Überzeugung dahin Ausdruck, daß es sich hier um einen Racheakt handelte, sowohl was den Tod des Kapitäns als auch das Verschwinden des Kindes anbeträfe.

Als er zum Schluß möglichst zartfühlend erklärte, daß der Knabe wahrscheinlich mit Hilfe des Eindeckers entführt worden sei, brach Lia Manara von neuem in Tränen aus … Man merkte deutlich, wie sehr sie an ihrem Kinde hing und welche Seelenqual es für sie bedeutete, den bildhübschen Jungen in der Gewalt von unbekannten Feinden zu wissen.

Trotzdem verließ sie nachher getröstet das Harstsche Haus

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Max Schraut: Dämon Rache. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:D%C3%A4mon_Rache.pdf/27&oldid=3305165 (Version vom 31.7.2018)