Seite:Dämon Rache.pdf/49

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So sehr groß ist Schloß Gülderhall nicht, und den geheimen Gang, der hier in diesen Raum führt, haben wir ja ebenfalls gefunden, und …“

Was der Kerl, der sich so schlau an uns herangepirscht hatte, noch weiter redete, beachtete ich nicht. Meine Gedanken wanderten in wilder Hast andere Pfade, – – Pfade ernstester Selbstvorwürfe. Im Verlauf einer halben Stunde hatte ich zwei ganz grobe Fehler gemacht: erstens die drei Burschen dazu gereizt, mich hier einzusperren, und dann jetzt Haralds Anwesenheit hier in Gülderhall verraten!

Selbstvorwürfe …! Und infolge dieser Selbstvorwürfe bei mir nun der Wunsch, diese Fehler wieder auszugleichen.

Ich glotzte in das grelle Licht …

Ich schätzte die Entfernung …

Und – schlug mit dem rechten Fuß dem Burschen blitzschnell die Taschenlampe aus der Hand, war ihm ebenso blitzschnell an der Kehle …

Ohne jede Rücksicht versetzte ich dem unter mir Liegenden einen Fauststoß in die Herzgrube …

Er rührte sich nicht mehr …

Drei Minuten – und er war mit des alten Aarborgs Hilfe an die Wand gefesselt …

Wir beide waren frei …

Der Lichtkegel der Taschenlampe zeigte uns an der einen Mauer eine niedere Öffnung, durch die ein Mann nur gebückt hindurchkonnte: die Geheimtür!

Der alte Vogt flüsterte:

„Ich bin nun doch bereits fünfzig Jahre hier auf Gülderhall … Aber ich habe nichts von dieser Tür gewußt, und bezweifle auch, ob mein Herr davon Kenntnis hat …“

Ich hüllte mich fester in meine wollene Decke … Ich hatte unserem Gefangenen einen Revolver und ein Dolchmesser aus der Tasche gezogen. Wir waren also nicht ohne Waffen …

„Gehen wir,“ meinte ich, um ein längeres Gerede des Alten über die Geheimtür von vornherein abzuschneiden …

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Dämon Rache. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 49. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:D%C3%A4mon_Rache.pdf/49&oldid=- (Version vom 31.7.2018)