Seite:Dämon Rache.pdf/55

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im Schlafzimmer aufgestellt hatte – im Schlafgemach der Prinzessin, damit dieser Haß nie in Vergessenheit gerietet!

Was hatte Lia Manara diesen verwöhnten, auf den Höhen des Lebens von Jugend an sorgenlos dahinwandelnden Aristokraten angetan, was hatte sie, die doch aus bescheidensten Verhältnissen hervorgegangen, ihnen antun können?! Was war die Diva gegenüber einer Herzogin von Tragana, deren Gatte der reichste Mann Italiens sein sollte – – ein Nichts, eine Filmschauspielerin mit vergänglichem Ruhm … eine Tagesgröße, während das Geschlecht der Traganas und Prinz Oskars Familie Jahrhunderte überdauert hatte und noch weitere Jahrhunderte überdauern würde!

Rätsel – ungelöste Fragen!!

Und ich starre weiter auf die unheimliche Inschrift, bis eine Einzelheit der verflossenen Geschehnisse in meinem Gedächtnis wieder auflebt – eine Einzelheit, die auch Harald nicht beachtet zu haben schien: Lia Manaras Kind, der Knabe, der aus Saßnitz verschwunden war!

Ich beginne aufs neue zu grübeln …

Zwecklos – – Zwecklos …

Und schiebe das Bild in den Rahmen zurück, lasse mich in den Sessel fallen, presse die rechte Hand vor die Augen, wie es Harald zuweilen tut, wenn er sein Hirn zu allergrößter Kraftentfaltung anspornen will …

Wie lange ich so in eine Art Selbsthypnose dagesessen hatte, weiß ich nicht …

Mit einem Male legte sich mir eine Hand auf die Schulter …

Ich hatte das Öffnen und Schließen der Tür völlig überhört … Schrecke zusammen, blicke auf …

Harst steht vor mir …

Mit einem merkwürdig abwesenden Ausdruck im Gesicht.

„Der Prinz hat die drei laufen lassen,“ sagt er mit einer gewissen Müdigkeit in der Stimme … Setzt sich auf den Bettrand, läßt den Kopf tief herabhängen … Die Schlaffheit seiner Haltung wundert mich …

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Dämon Rache. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:D%C3%A4mon_Rache.pdf/55&oldid=- (Version vom 31.7.2018)