Seite:DE Herzl Judenstaat 76.jpg

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wohnen, so werden wir ihnen einen ehrenvollen Schutz und die Rechtsgleichheit gewähren. Wir haben die Toleranz in Europa gelernt. Ich sage das nicht einmal spöttisch. Den jetzigen Antisemitismus kann man nur an vereinzelten Orten für die alte religiöse Intoleranz halten. Zumeist ist er bei den Culturvölkern eine Bewegung, mit der sie ein Gespenst ihrer eigenen Vergangenheit abwehren möchten.


Gesetze.

Wenn die Verwirklichung des Staatsgedankens näher rückt, wird die Society of Jews gesetzgeberische Vorarbeiten machen lassen durch ein Juristencollegium. Für die Uebergangszeit lässt sich der Grundsatz annehmen, dass Jeder der aus den verschiedenen Ländern einwandernden Juden nach seinen bisherigen Landesgesetzen zu beurtheilen sei. Bald ist die Rechtseinheit anzustreben. Es müssen moderne Gesetze sein, auch da überall das Beste zu verwenden. Es kann eine vorbildliche Codification werden, durchdrungen von allen gerechten socialen Forderungen der Gegenwart.


Das Heer.

Der Judenstaat ist als ein neutraler gedacht. Er braucht nur ein Berufsheer – allerdings ein mit sämmtlichen modernen Kriegsmitteln ausgerüstetes – zur Aufrechterhaltung der Ordnung nach Aussen, wie nach Innen.


Die Fahne.

Wir haben keine Fahne. Wir brauchen eine. Wenn man viele Menschen führen will, muss man ein Symbol über ihre Häupter erheben.

Ich denke mir eine weisse Fahne, mit sieben goldenen Sternen. Das weisse Feld bedeutet das neue, reine Leben; die


Empfohlene Zitierweise:
Theodor Herzl: Der Judenstaat, Berlin und Wien 1896, Seite 76. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DE_Herzl_Judenstaat_76.jpg&oldid=2788410 (Version vom 9.5.2016)