Seite:DE Herzl Judenstaat 77.jpg

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Sterne sind die sieben goldenen Stunden unseres Arbeitstages. Denn im Zeichen der Arbeit gehen die Juden in das neue Land.


Reciprocität und Auslieferungsverträge.

Der neue Judenstaat muss anständig gegründet werden. Wir denken ja an unsere künftige Ehre in der Welt.

Darum müssen alle Verpflichtungen in den bisherigen Wohnorten rechtschaffen erfüllt werden. Billige Fahrt und alle Ansiedelungsbegünstigungen werden Society of Jews und Jewish Company nur denjenigen gewähren, die ein Amtszeugniss ihrer bisherigen Behörden beibringen: „In guter Ordnung fortgezogen“.

Alle privatrechtlichen Forderungen, die noch aus den verlassenen Ländern stammen, sind im Judenstaate leichter klagbar als irgendwo. Wir werden gar nicht auf Reciprocität warten. Wir thun das nur um unserer eigenen Ehre willen. So werden späterhin auch unsere Forderungen willigere Gerichte finden, als dies jetzt da und dort der Fall sein mag.

Von selbst versteht sich nach allem Bisherigen, dass wir auch die jüdischen Verbrecher leichter ausliefern, als jeder andere Staat, bis zu dem Augenblicke, wo wir die Strafhoheit nach denselben Grundsätzen ausüben werden, wie alle übrigen civilisirten Völker. Es ist also eine Uebergangszeit gedacht, während welcher wir unsere Verbrecher erst nach abgebüsster Strafe aufnehmen. Haben sie aber gebüsst, so werden sie ohne jede Restriction[1] aufgenommen, es soll auch für die Verbrecher unter uns ein neues Leben beginnen.

So kann für viele Juden die Auswanderung zu einer glücklich verlaufenden Krise werden. Die schlechten äusseren Bedingungen, unter denen mancher Charakter verdorben ist, werden behoben, und Verlorene können gerettet werden.

Ich möchte da kurz die Geschichte erzählen, die ich in einem Bericht über die Goldminen von Witwatersrand gefunden habe. Ein Mann kam eines Tages nach dem Rand, liess sich nieder, versuchte Einiges, nur nicht das Goldgraben, gründete endlich eine Eisfabrik, die prosperirte, und erwarb sich bald durch seine Anständigkeit die allgemeine Achtung. Da wurde er nach Jahren plötzlich verhaftet. Er hatte in Frankfurt als Bankier Betrügereien verübt, war entflohen und hatte hier unter falschem Namen ein neues Leben begonnen. Als man ihn aber

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Restrinction
Empfohlene Zitierweise:
Theodor Herzl: Der Judenstaat, Berlin und Wien 1896, Seite 77. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DE_Herzl_Judenstaat_77.jpg&oldid=2788411 (Version vom 9.5.2016)