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Siebenter Gesang.
Im Merkur, Schluß. Belehrung über Sünde und Erlösung. Anhang: von der unmittelbaren und mittelbaren Schöpfung.

1
„Hosianna dir, du Gott der Macht und Wahrheit,[1]

Dir, der du hier der sel’gen Flammen Glanz
Reich überströmst mit Fülle deiner Klarheit!“

4
So schien, zurückgewandt zu ihrem Tanz,[2]

Die Seel’ im Lied den höchsten Herrn zu feiern,
Umringt vom lichten Doppel-Strahlenkranz.[3]

7
Den Reigen sah ich Alle nun erneuern,

Und Funken gleich, die durch die Lüfte fliehn,
Von plötzlicher Entfernung sie verschleiern.

10
Ich zweifelte. „„Sprich, sprich, zur Herrin,““ schien

Mein Herz zu sprechen bei des Mundes Schweigen,
„„Die stets dir Lab’ in süßem Thau verliehn.““

13
Allein die Ehrfurcht, der ich immer eigen

Als Sclav war, wo nur be und ice klang,[4]
Ließ gleich dem Schläfrigen, das Haupt mich neigen;

16
Sie aber duldete mich so nicht lang;

In Lächeln strahlte mir das hohe Wesen,
Das Feuerpein umschüf’ in Wonnedrang.[5]

19
Sie sprach: „Ich hab’ in deiner Brust gelesen;[6]

  1. VII. 1–3. Diese drei ersten Zeilen sind im Original lateinisch mit einigen hebräischen Worten.
  2. 4. Die Seligen, in Lichtgewändern erscheinend, drücken ihre Wonne durch Tanz im Kreise aus, der lebhafter, glänzender und schneller wird, wenn sich eine Veranlassung zu erhöhter Liebe und Freude darbietet. Manche werden vielleicht diese Aeußerung der Seligkeit zu gemein und irdisch finden. Aber sie mögen versuchen, ob ein würdigeres Bild aufzufinden ist, als die Bewegung der Sterne durch das unermeßliche All.
  3. [6. Wird auf Justinians Doppel-Verdienst als Gesetzgeber und Eroberer gedeutet.]
  4. 14. be und ice. Die Anfangs- und Endsylben des Namens Beatrice, der abgekürzt auch wohl Bice ausgesprochen wurde.
  5. 18. Im Original weit schöner, einfacher und deutlicher: welches den Menschen im Feuer glücklich machen würde.
  6. [19. Die folgende (dritte) der systematischen Belehrungen über die Hauptpunkte der christl. Erkenntniß bewegt sich in zwei Hauptgedanken. 1) Warum war die, doch zur Erlösung nothwendige, Kreuzigung Christi für die Juden eine Sünde, welche nach dem vorigen Ges. [436] V. 92 ff. durch Titus gerächt wurde? V. 20–56. 2) Warum wählte Gott gerade diesen Weg der Erlösung, da es ja (vgl. Gregor d. Gr.; Thomas) auch andere gegeben hätte? (V. 58–120). Die Antwort auf beide Fragen ist trotz ihrer Dialektik, dem mit christlichen Ideen Vertrauten leicht verständlich.]
Empfohlene Zitierweise:
Alighieri, Dante. Streckfuß, Karl (Übers.). Pfleiderer, Rudolf (Hrsg.): Die Göttliche Komödie. Leipzig: Reclam Verlag, 1876, Seite 435. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dante_-_Kom%C3%B6die_-_Streckfu%C3%9F_-_435.jpg&oldid=3232486 (Version vom 31.7.2018)