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Cassino liegt, war einst Versammlungsort
Für viel Betrüger und betrogne Leute.

40
Der Erste nannt’ ich dessen Namen dort,

Der jene Wahrheit, die uns hoch erhoben,
Der Erde bracht’ in seinem heil’gen Wort.

43
Und solche Gnade glänzt’ auf mich von oben,

Daß ich das Land umher vom Dienst befreit,
Der mit verruchtem Trug die Welt umwoben.

46
Wer hier glänzt, lebt’ einst in Beschaulichkeit,

Und Keiner ließ in sich die Flamm’ erkalten,
Die Blüten treibt und heil’ge Frucht verleiht.

49
Sieh des Macar, des Romuald Lichtgestalten,[1]

Sieh meine Brüder, die im Klosterbann
Den Fuß gehemmt und fest das Herz gehalten.“

52
„„Dein liebevolles Wort,““ so hob ich an,

„„Und diese Freundlichkeit, die es begleitet,
Die ich an jedem Glanz bemerken kann,

55
Sie haben also mein Vertrau’n erweitet,

Wie Sonnenschein die Rose, welche sich
So weit sie kann, erschließet und verbreitet.

58
Und, so vertrauend, Vater, bitt’ ich dich,

Dich meinen Blicken unverhüllt zu zeigen,[2]
Ist solche Gnade nicht zu groß für mich.““

61
„Wenn so hoch,“ sprach er, „deine Wünsche steigen,

Beut dir der letzte Kreis Erfüllung dar.
Durch sie wird jeder Wunsch, auch meiner schweigen.[3]

64
Dort wird vollkommen, reif und ganz und wahr,[4]

  1. 49. Macar. Es giebt zwei Heilige dieses Namens. Welcher hier gemeint sei, ist nicht bezeichnet. – Romuald, der Stifter des Kamaldulenserordens [1018].
  2. 59. Der Glanz, welcher die Seligen umgiebt, ist, wie schon an mehreren Stellen erwähnt worden, nur ihre Hülle – der Wiederschein der Wonne, die sie empfinden. Ohne diese Hülle wünscht Dante den heiligen Benedict zu sehen.
  3. 63. Auch mein Wunsch, dir Genüge zu leisten.
  4. [64. ff. Der Leser beachte diese Stelle als einen Beweis für die wahre Meinung Dante’s, wornach alle Seligen eigentlich ihren wirklichen Sitz im Empyreum – dem unendlichen, raumlosen und unbeweglichen Bild der ewigen Ruhe V. 67 – haben, allwo er auch den Benedikt wiederfindet und dann unenthüllt schaut, Ges. 32, 34. Vgl. Vorbem. z. Par. S. 398 und später zu Ges. 32.]
Empfohlene Zitierweise:
Alighieri, Dante. Streckfuß, Karl (Übers.). Pfleiderer, Rudolf (Hrsg.): Die Göttliche Komödie. Leipzig: Reclam Verlag, 1876, Seite 532. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dante_-_Kom%C3%B6die_-_Streckfu%C3%9F_-_532.jpg&oldid=3232583 (Version vom 31.7.2018)