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innen der Basis der Nase zu und verursachen senkrechte Furchen, d. h. also ein Stirnrunzeln, welches zwischen den Augenbrauen erscheint; zu derselben Zeit verursachen sie das Verschwinden der über die ganze Stirn wegziehenden Querfurchen. Die keisförmigen Muskeln ziehen sich beinahe gleichzeitig mit den Augenbrauenrunzlern zusammen und rufen Furchen ganz rings um das Auge hervor. Sie scheinen indessen einer Zusammenziehung mit größerer Kraft fähig zu sein, sobald die Zusammenziehung der Augenbrauenrunzler ihnen einen gewissen Stützpunkt gegeben hat. Zuletzt ziehen sich die Pyramidenmuskeln der Nase zusammen; diese ziehen die Augenbrauen und die Haut der Stirne noch tiefer herab und erzeugen kurze Querfurchen über der Basis der Nase.[1] Der Kürze wegen werden diese Muskeln allgemein als die Kreismuskeln oder als diejenigen, welche das Auge umgeben, erwähnt werden.

Wenn diese Muskeln stark zusammengezogen werden, so ziehen sich auch diejenigen, welche nach der Oberlippe hinlaufen,[2] zusammen und erheben die Oberlippe. Dies hätte sich wegen der Art und Weise, in welcher wenigstens einer derselben, der Malaris, mit den kreisförmigen Muskeln in Zusammenhang steht, erwarten lassen. Ein Jeder, welcher allmählich die Muskeln rings um seine Augen zusammenziehen will, wird in dem Maße, wie er die Kraft verstärkt, fühlen, daß seine Oberlippe und seine Nasenflügel (welche zum Theil von einem der nämlichen Muskeln beeinflußt werden) beinahe immer ein wenig in die Höhe gezogen werden. Wenn er seinen Mund fest schließt, während er die Muskeln rings um das Auge zusammenzieht, und dann plötzlich seine Lippen erschlafft, so wird er fühlen, daß der Druck auf die Augen sich sofort verstärkt. Wenn ferner eine Person an einem


  1. Henle (Handbuch der systemat. Anat. Bd. 1. 1858. S. 139) stimmt mit Duchenne darüber überein, daß dies die Wirkung der Zusammenziehung des Pyramidalis nasi ist.
  2. Es bestehen dieselben aus dem Levator labii superioris alaeque nasi, dem Levator labii proprius, dem Malaris, und dem Zygomaticus minor oder kleinen Jochbeinmuskel. Dieser letztere Muskel liegt parallel mit dem großen Jochbeinmuskel und oberhalb desselben und heftet sich an den äußeren Theil der Oberlippe. Er ist in Fig. 2 (S. 22), aber nicht in Fig. 1 und 3 dargestellt. Dr. Duchenne wies zuerst (Mécanisme de la Physion. Hum., Album, 1862, p. 39) die Bedeutung der Zusammenziehung dieses Muskels in Bezug auf die beim Schreien angenommene Form des Gesichts nach. Henle betrachtet die eben genannten Muskeln (mit Ausnahme des Malaris) als Unterabtheilungen des Quadratus labii superioris.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 135. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/143&oldid=3233921 (Version vom 31.7.2018)