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„Das war also die Frau“, half Pi etwas ungeduldig nach.

Er hatte Grund, mit meinem Tempo unzufrieden zu sein, jedoch gerade diese Episode hatte für mich längst den unnennbaren Reiz eines traumhaft-zarten, nur mir gehörigen Begebnisses angenommen, und es widerstrebte mir, mit nüchternen Worten vor diesem eisig-kühlen, unendlich schlauen Materialisten Chang Pi jenen feinen Reiz zu beeinträchtigen.

Pi schielte mich forschend aus den Augenwinkeln an. Erriet er meinen inneren Widerstand gegen die profane Zerstörung eines poetischen Zwischenspieles?

„… Also die Frau kam“, sagte er weniger dringlich als vorhin. „War auch sie so erdfahl wie die übrigen?“

„Nein …“ – Ich brauchte nur die Augen zu schließen, und das Bild der Fremden in dem grünen, engen und doch graziös-faltenreichen Gewande, das weder Kleid noch Umhang war, erstand vor mir so lebendig, als hätte ich es seit langer Zeit immer wieder geschaut.

„… Nein, sie war leicht gebräunt und trug den unbedeckten, blonden Kopf sehr stolz, fast herrisch. Von ihrer Erscheinung ging ein eigentümlicher Zauber aus …“

Pi, dieser alte Knabe, für den es einst lediglich die Romantik seiner Piratenjahre in den ostasiatischen Meeren gegeben hatte und der nunmehr hier in Mexiko ein sehr treuer, sehr zuverlässiger, aber bedauerlich nüchtern denkender Hausmeister seines Herrn Mac Intock geworden, erlaubte sich die Zwischenbemerkung, daß die Frau demnach wohl die Herrin des Erdfahlen gewesen.

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Bergwerk der Abgeschiedenen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1931, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Bergwerk_der_Abgeschiedenen.pdf/20&oldid=3176230 (Version vom 30.6.2018)