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5. Kapitel.
Die Pinasse der Erdfahlen.

Unser Boot war fertig. Auch Kosimo hatte zuletzt bei der Arbeit geholfen und sich sehr anstellig gezeigt.

Unser Eifer, diese Vorbereitungen vor Dunkelwerden zu beenden, hatte allerdings einen gründlichen Dämpfer erfahren, denn nur gedankenlose Tollköpfe würden sich nach all dem, was wir nun über die Inder wußten, in dieses gefährliche Abenteuer ohne ernsteste Bedenken gestürzt haben.

Als der prächtige Sonnenuntergang eine sternenklare, für unser Vorhaben allzu helle Tropennacht verhieß, saß ich mit Kosimo droben auf der Klippe und suchte ihn auszufragen.

Meine Andeutungen, daß der Text der beiden Zettel doch wohl von ihm beim Vorlesen etwas verändert worden wäre, wollte er nicht verstehen.

Er blickte starr gen Osten, wo die „Schlafenden Wale“ Leslie Wodston gefangen hielten. In seinen dunklen, ausdrucksvollen Augen schimmerte eine tiefe Melancholie, und sein Antlitz glich einer Bronze antiker Herkunft, da das Abendrot auch seine Züge mit mildem Rosa streichelte.

Ich fühlte, daß diesen jungen Farbigen, zu dem mich bereits eine starke kameradschaftliche Neigung hinzog, allerlei tragische Geheimnisse umwitterten, und ich war enttäuscht, als er meine ehrlich gemeinte Freundschaft, die lediglich Offenheit forderte, so kalt zurückwies.

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Bergwerk der Abgeschiedenen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1931, Seite 47. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Bergwerk_der_Abgeschiedenen.pdf/47&oldid=3176291 (Version vom 30.6.2018)