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… „Zur schönen Aussicht“, könnte man es übersetzen, dieses Buena Vista!

Das wäre zu viel des Lobes für den Haufen von Steinhütten und Bambusbehausungen und für die wenigen modernen Bauten dicht am Strande der kleinen Bucht, wo die Zivilisation sich auf ein paar hundert Quadratmeter infolge amerikanischer Dollarhilfe protzig aufgetan hat, – ein Zerrbild von Kultur, der gröbste Schwindel, den je außer dem berüchtigten Potemkin, der die Kulissendörfer errichtete, der Dollar aus diesem blutgedüngten Boden von Cuba hervorgezaubert hat.

Sogar ein Hotel, drei Stockwerke, Terrasse, Jazzmusik, Bar mit Tanzvorführungen und infernalisch bunten Getränken (mit Alkohol), denn die Republik Cuba, dieses jämmerliche Gewächs von Amerikas Gnaden, ist noch nicht so modernisiert, daß es durch die Prohibition den Gaunern die neue prächtige Erwerbsquelle des Alkoholschmuggels geöffnet hätte.

Neben mir im Hotel „Union Jack“ wohnt Kosimo. Die Verbindungstür wird nachts nicht verriegelt, obwohl …

Und nur Mr. Black besitzt das Verfügungsrecht über beide Zimmer, auch nachts.

Elektrisches Licht?!

Keine Rede: Petroleum! – Wasserleitung ist vorhanden, gibt jedoch kein Wasser. Dafür ist der Duft auf den Korridoren auch gratis und erinnert an Bauernhöfe mit sorgfältig gepflegtem Düngerhaufen. Immerhin: Ich sitze an einem regelrechten Schreibtisch, vor mir ein schönes Tintenfaß (künstlicher Marmor), links die Petroleumlampe …

Ich lebe seit drei Tagen am Rande der Zivilisation, Gott Lob nur am Rande.

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Bergwerk der Abgeschiedenen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1931, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Bergwerk_der_Abgeschiedenen.pdf/61&oldid=3176305 (Version vom 30.6.2018)