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und dem Eimerschädel mit der Krimmerperücke – sie ist echt, naturkraus – hebt die Laterne und läßt uns die Leiter in den Kielraum hinabklettern. Dolores’ seidener Rock bekommt einen Riß, noch einen, und der Schlitzrock läßt nachher die makellosen Beine sehen.

Im Kielraum sehe ich nur wenig Ballastsäcke, und da der Schoner zum Schein nur ganz leichte Baumwollballen geladen hat, hätte ein einigermaßen pfiffiger Zollbeamter schon deshalb argwöhnisch werden müssen, weil das Schiff unverhältnismäßig tief im Wasser liegt, bis zur äußersten Ladelinie.

Der kaffeebraune Seemann, ganz gewiß ein ebenso tüchtiger wie gewissenloser Kerl, sagt knurrend zu Dolores, und schielt mich an:

„Die Verantwortung tragen Sie!!“

„Unsinn, – machen Sie fix!!“ Die Tänzerin fiebert …

Der stiernackige Käpten spuckt zunächst einen Strahl brauner Priemsauce auf einen Ballastsack, schiebt den Sack dann wie einen Federbeutel bei Seite, macht eine Stelle des Schiffsbodens frei, über dem fauliges Wasser glitzert, pumpt die Tunke mit einem Riesending von Handpumpe in die nächste Abteilung und hebt eine Falltür hoch.

Der Schoner hat einen doppelten Boden, und der untere Boden besteht aus Eisenplanken. Ein Raum von knapp anderthalb Meter Höhe, ein glänzendes Schmugglerversteck, ist mit länglichen Goldbarren zu einem Viertel gefüllt, der Laternenschein fällt über die matt blinkenden Goldziegel, die sämtlich eingestanzte Nummern und darunter noch das Bild der Ariane – wie auf der Münze – tragen.

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Bergwerk der Abgeschiedenen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1931, Seite 73. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Bergwerk_der_Abgeschiedenen.pdf/73&oldid=3176317 (Version vom 30.6.2018)