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gehabt. Keine Schuhe, kein Unterzeug, nichts in den Taschen, nur …

Nur das, was ich nun wieder auf der flachen Hand halte: Eine goldene, etwas plump gearbeitete Kette mit einer Münze als Anhänger.

Münze?!

… Mr. Black hüpft auf meinen Schenkel. Black ist ein Dieb. Alles Blanke zieht ihn magnetisch an. Sogar Patronenhülsen sind nicht vor ihm sicher, von Teelöffeln gar nicht zu reden.

Black legt den Kopf noch schiefer.

Die Münze leuchtet im Abendrot, als ob sie glühte, und das scharf und künstlerisch modellierte Relief des Frauenkopfes auf der Vorderseite scheint wie von warmem Leben durchpulst.

Der Rabe Black hascht mit dem Schnabel nach der schönen Frau, – ich bin schneller, und enttäuscht und wütend wie ein genarrter Taschendieb flattert er davon und stolziert gravitätisch über den weißen, jetzt rosig angehauchten Sand und wippt mit dem gespreizten Fächerschwanz und schimpft krächzend: „Idiot … Idiot … Idiot!“

Mag er.

Der goldene Anhänger nimmt all meine Gedanken in Anspruch, denn auf der Rückseite lese ich nun, genau so sauber graviert, die rätselvolle Inschrift in lateinischen Lettern:


Auferweckt, Erdenschloß,
Lebensflucht, Menschenlos.
Ariane.


Nicht deutsche Verse, nicht englische, französische[1], – überhaupt keine der gebräuchlichsten Sprachen, vielmehr eine Mundart, die ich erst vor langen Jahren, den Verhältnissen Rechnung tragend,

  1. Vorlage: französiche
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Bergwerk der Abgeschiedenen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1931, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Bergwerk_der_Abgeschiedenen.pdf/8&oldid=3176344 (Version vom 30.6.2018)