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hatte eine kleine Freundin gefunden, die mir in allem zusagte, und ich mußte mich eben mit dem zufriedengeben, was sie mir freiwillig anvertraute.

„Ihnen böse sein?!“

Ich drückte sie an mich, sie hatte den Kopf zurückgebogen, blickte mir fest und ehrlich in die Augen, bis in ihren dunklen, ausdrucksvollen Sternen ein seltsames Leuchten aufglomm, das nun mich verwirrte.

„Olaf, Sie sind ein prächtiger Mensch!“, entfuhr es ihr. „Sie sind der erste Mann, der …“

Und dann meldete sich das weibliche Zartgefühl, – – sie senkte schnell den Kopf, sie machte sich aus meinen Armen allzuschnell frei, und die zarte, feine, verheißungsvolle Stimmung war zerstört.

Nur um ihr über ihre tödliche Verlegenheit hinwegzuhelfen, fragte ich nach Leslie.

„Ist Leslie Ihr Bruder?“

„Ja!“

Das war unzweifelhaft die Wahrheit.

Mehr zu fragen, verbot mir das Taktgefühl. Ich wußte, daß die Stunde kommen würde – ganz von selbst. Außerdem hätte auch Pi jede weitere Aussprache unmöglich gemacht, da er mir zurief, ich sollte ihn nun am Steuer ablösen und vorher das Großsegel hissen, damit wir rascher vorwärts kämen.

„Ruhen Sie sich noch aus, Kosima … Der Kugelblitz hat uns verschont und uns nur Gutes gestiftet“, meinte ich zu der kleinen Freundin, die mir wortlos die Hand reichte, einen Dank hauchte, mich aber nicht anblickte.

Kosima war ja kein Kind mehr, sie war ja ein reifes, junges Weib, und – – ich?! …

……


Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Bergwerk der Abgeschiedenen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1931, Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Bergwerk_der_Abgeschiedenen.pdf/87&oldid=3176357 (Version vom 30.6.2018)