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unserem Blut war wie ein unbeschreibliches Gefühl matter Trunkenheit.

Dabei wuchs der matte, fahle Keil immer mehr. Jeder Luftzug hatte aufgehört. Coy schimpfte wie ein Rohrspatz, wurde grob. Nichts machten wir ihm gut. Die Barrikaden vor den Fenstern sollten glatt sein, möglichst wenig Angriffsfläche bieten. Steine mußten wir auf das Balkendach ziehen, wahre Felsblöcke. Es war eine Hundearbeit.

So verging eine halbe Stunde.

Der Keil war inzwischen gewandert, nach Westen zu, bog aber wieder nach Süden ab.

Wir waren mit den Vorbereitungen zum Empfang des Matti Roco fertig, und Coy lief uns voran zum nördlichen Waldrand. Links die fernen Felsgestade. Links wanderte der Keil dahin …

Über das Meer, näherte sich wieder dem Ufer – immer schneller … Das wechselnde Farbenspiel der Luftwirbel war lebhafter geworden. Der Himmel noch dunstiger. Am Rande des Kegels zuckten Blitze hin – ohne jeden Donner. Totenstille ringsum. Nur unsere Herzen hämmerten, und in den Gliedern hatte ich ein bis dahin unbekanntes Kribbeln. Joachim hatte sich auf einen Stein gesetzt und Allan auf den Schoß genommen. Der Junge war blaß und hatte verängstigte Augen.

Der Keil zog jetzt vielleicht fünf Meilen vor uns über die Steppe entlang. Seine Spitze war schwarz gefärbt. Das Fernrohr enthüllte uns das Rätsel dieser Schwärze: es waren emporgerissene Steine, Gräser, Felsen, Bäume, Büsche …

„Der Herr Matti Roco macht’s gnädig mit uns,“ versuchte Näsler zu scherzen. „Er verschont uns … Er hat keinen rechten Hunger auf vier Menschen und vier Viecher.“

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Geheimnis des Meeres. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_des_Meeres.pdf/110&oldid=- (Version vom 30.6.2018)