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zurückgeblieben und den Tod gefunden. Trotzdem wollten wir vorläufig noch in der Höhle bleiben und abwarten, vorsichtig sein …

Wir hatten das Nachtmahl hinter uns. Achim verband Chuburs leere Augenhöhle von neuem, und ich nahm das Fernrohr und kroch in einem neu gefertigten Robbenanzug als Robbe nach dem Tanghügel.

Wundervoller Sonnenuntergang. Rot die Randhöhen, rotviolett der Himmel. Die Brandung da vorn ein köstliches Farbenspiel.

Ich war allein, und ich dünkte mich Gott. Ich hatte ein Tagewerk hinter mir, das Männerarbeit gewesen. Ich fühlte mich stark, gesund, durchglüht von dem Wunsche, die Spur dieser Bestien wiederzufinden. Dort vor mir lag der Wal, Denkmal menschlicher Bestialität! Wartet, Halunken!!

Auch der Schwanz des Wales lag nun frei. Es war Ebbezeit. Der Wasserstand der Bucht um zwei Meter gesunken. Ich sah’s an den Flutmarken.

Aus Seetang hatte ich mir eine Deckung geschaffen, konnte nun das Fernrohr benutzen, beäugte die Buchtgestade ganz genau. Wenn wir auch vorhin so ziemlich einig darüber gewesen waren, daß die Turidos die Bucht verlassen hätten, so behauptete eine hartnäckige Stimme, die aus meinem Unterbewußtsein kam, doch das Gegenteil. Und wie ich so dalag, gehüllt in das Robbenfell, die Kapuze über dem Kopf und nur den rechten Arm frei, wie ich jede Kluft, jede Spalte, jeden Vorsprung, jeden Baum und Busch der Steilwände musterte, was ja eine ebenso ergebnislose wie langweilige Beschäftigung war, glitt mein Denken

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Max Schraut: Das Geheimnis des Meeres. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_des_Meeres.pdf/136&oldid=3176556 (Version vom 30.6.2018)