Seite:Das Geheimnis des Meeres.pdf/176

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Loch im Ozean gesprochen – als Titel für das, was über Jules Vernes mit wissenschaftlichen Phrasen gespickten Phantasien weit hinausgeht. Nein: Jules Verne ist abgetan! Ihm fehlt der rasende Rhythmus der modernen Zeit, des modernen Abenteuers. Vielleicht fehlt dieser Rhythmus all dem, was am Schreibtisch im warmen Zimmer bei guter Zigarre ausgeklügelt wird. Ich brauche nichts auszuklügeln, nur hineinzugreifen in die Überfülle des Erlebten, und wenn ich mich hineinversenke in all diese kostbaren bunten Schätze, darin wühle wie in farbenprächtigen Seidenstoffen, hole ich aus den Tiefen der Vorräte immer Neues hervor. Und nichts, nichts möchte ich missen von diesem Reichtum, auch das nicht, was mir jetzt, wo ich es zu Papier bringen werde, wieder das Blut in den Adern gefrieren läßt.

Ich besinne mich, daß mein unglückseliger Vater, ein moralverseuchter Mensch, seine Freude daran hatte, Mäuse in selbstgebauten Fallen von sehr komplizierter Konstruktion zu fangen. Einfache Fallen hätten es auch getan. Aber er konstruierte Fallen, die die Mäuse gleich in ein Wasserbecken hinabfallen ließen, in dem die armen Viecher dann ertranken, nachdem sie stundenlang vielleicht umhergeschwommen waren, immer im Kreise an der Wandung lang, die zu glatt war, selbst ihren Kletterzehen Halt zu gewähren. Wie vielen Mäusen habe ich heimlich das Leben gerettet, indem ich als Knabe ganz früh aus dem Bett schlich und die Fallen revidierte, die noch lebenden Mäuse mit der Hand herausnahm und laufen ließ. Eines Morgens erwischte mich mein Vater dabei, wollte mich schlagen. Meine Mutter trat dazwischen, und was sie meinem Vater bleichen Antlitzes zuflüsterte,

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Geheimnis des Meeres. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 176. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_des_Meeres.pdf/176&oldid=3234817 (Version vom 31.7.2018)