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Arbeit sollte mir wieder einmal beweisen, wie unendlich den noch so praktisch veranlagten und noch so weitsichtigen Kulturmenschen diese halbzivilisierten[1] Wilden, meine Araukaner, überlegen waren.

Allan lebte mehr auf. Ich habe ja schon immer Glück bei Kindern gehabt. Als wir in Siam den Viadukt von Tillabonga bauten, war meine Baracke der Treffpunkt der gesamten splitternackten Jugend des entlegenen Gebirgsdorfes Tillabonga. In meinen Mußestunden spielte ich Lehrer, und als der Viadukt fertig, konnten die kleinen Rangen mit den kugelrunden schwarzen Augen und den zarten und doch so sehnigen Gliedern englisch schreiben und lesen. Beim Abschied überreichte mir Sawimaka, der Dorfgewaltige, als Dank einen Elefantenstoßzahn von sechzig Pfund Gewicht. Dieser Zahn wurde zusammen mit meinem sonstigen Besitz versteigert, als die Kosten meines Strafprozesses nach meiner Verurteilung gedeckt werden sollten.

Allan war zutraulich, anschmiegend, redselig und in allem ein echter kleiner Yankee, der in der freien Luft des Rinderlandes Texas auf einer Großfarm aufgewachsen ist. Daß seine Mutter – seinen Vater hatte er nie gekannt – ihn nicht verweichlicht hatte, rettete ihm fraglos hier an der Wetterecke Südamerikas fraglos das Leben, denn uns drohten noch Tage, die den widerstandsfähigsten Mann böse mitgenommen hätten. Dabei war mein kleiner Freund so arbeitseifrig, anstellig und geschickt, daß ich ihn als Handlanger nicht hätte missen mögen.

An diesem ersten Tage unseres Robinsondaseins machte der Bootsbau nur geringe Fortschritte. Ich

  1. Vorlage: halbzivilierten
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Max Schraut: Das Geheimnis des Meeres. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_des_Meeres.pdf/45&oldid=- (Version vom 31.7.2018)