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mußte erst noch ein paar Robben erlegen, abhäuten und Riemen schneiden, denn nur diese frischen Lederriemen zogen sich nachher, wenn sie trocken waren, so kräftig zusammen, daß sie die Holzteile wie Schrauben aneinanderhielten. Hinzu kam noch die Pflicht, für die Küche zu sorgen. Der eine Lachs war so gut wie nichts für zwei Menschen gewesen, die sich dauernd im Freien in der scharfen Luft des Grenzgebietes des Atlantik und des Pazifik bewegten. Gekochtes oder gebratenes Robbenfleisch – – eine tranige Wildente ist ein Genuß dagegen. Schließlich kochte ich die Stücke nur an und hängte sie in den dichtesten Qualm des Feuers. Das half.

Das Wetter blieb kalt, stürmisch und unfreundlich. Am Abend versuchte ich es, einen der Sandberge der Bucht zu erklettern, um mir Gewißheit zu verschaffen, ob wir uns auf einer Insel befänden. Gänzlich erschöpft, mit zerschundenen Händen und Knien und zitternden Muskeln erreichte ich den Gipfel. Der Rest des Tageslichts genügte: es war eine kleine Insel, und weiter nach Westen zu erblickte ich die grandiosen Steilküsten der Hauptinsel Santa Ines. Ich war befriedigt und wollte umkehren. Aber die ungeheure körperliche Anstrengung dieser Bergtour hatte meinen Willen gelähmt. Ich saß auf einer Felsplatte und starrte in wohliger Erschlaffung über dieses wunderbare Land hin, das nur Granit ist, nur Kanäle, nur Klippen und Riffe und Inseln und Eilande. Der eisige Südwind kühlte mein Gesicht, und des Fremden derber Sportanzug, jenes schwarzhaarigen Menschen mit Chuburs Messer im Auge, schützte meinen schweißnassen Körper besser als meine bisherige Seemannskluft. Ich saß und döste … Und wenn ich den Kopf wandte, sah ich in der Tiefe

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Max Schraut: Das Geheimnis des Meeres. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_des_Meeres.pdf/46&oldid=- (Version vom 31.7.2018)