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In Coys Ledertracht sah er wie ein kleiner Strolch aus. Ich selbst ließ ebenfalls meine durchweichten Kleidungsstücke nacheinander vor der Glut dampfen und nahm mir vor, Coy niemals mehr irgend etwas von seinen kleinen Frechheiten nachzutragen.

Seltsame Nacht damals. An Schlafen war für uns beide nicht zu denken. Wir hatten mit einem raschen Abflauen des Sturmes gerechnet. Das betrog uns. Das Wetter narrte uns bis zum Morgengrauen, indem es ein wenig nachließ. Dann kam der düstere Morgen und mit ihm neues wildestes Toben der Elemente, Schnee, Hagel, Regen, – der reine Weltuntergang.

Coy weckte den Knaben, zog ihm die trockenen Sachen an, schlüpfte in seine eigenen und meinte kühl: „Jetzt noch zwei Tage so wehen, Mistre Abelsen. Ich werden suchen Zelt und Bootsgerippe. Muß finden … Sonst nur Arbeit, und keine Robben mehr … Robben bei Weststurm wandern ab nach Osten, wo ruhig Wasser und Fische.“

„Du bleibst!“ befahl ich. Und ich zeigte nach oben, wo gerade wieder eine Steinlawine niederging.

Coy zog seine hohen Seehundsstiefel an, tat, als ob er gar nichts gehört habe. Dann kroch er unter der einen Decke hindurch und zwang mich so, ihm zu folgen. Sollte ich ihm alle Arbeit allein überlassen?! – Allan war nach dem Kleiderwechsel gleich wieder eingeschlafen, und die frischen dicken Buchenscheite im Feuer würden wohl eine Stunde vorhalten.

Coy hatte meine Begleitung als selbstverständlich[1] hingenommen. Wir kletterten durch den Schlund aufwärts, und dann lag die Bucht im fahlen Zwielicht eines leichten Schneetreibens vor uns.

  1. Vorlage: selstverständlich
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Geheimnis des Meeres. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_des_Meeres.pdf/61&oldid=3234879 (Version vom 31.7.2018)